Ziemlich jeder hat ein Girokonto oder eine Kreditkarte bei einer Bank. Vermutlich einer mit Filiale um die Ecke, oder von früher eben eine, wo die Eltern und Freunde auch waren. Aber was macht diese Bank mit unserem Geld? Werden damit Kernenergie und Kinderarbeit unterstützt oder nachhaltige Projekte gefördert? Und was verstehe ich unter „nachhaltigen Geldanlagen“ oder „fairen Finanzen“ überhaupt?

Einfach gesagt geht es dabei um Kapitalanlagen mit Nachhaltigkeitszielen. Das heißt: das Geld, das ich auf dem Konto habe, wird von der Bank genutzt – für Produkte oder Unternehmen, die eventuell (direkt oder indirekt) Kohlekraft oder Kinderarbeit mitfinanzieren. Oder eben ökologisch, ethisch und sozial nachhaltige Dinge wie Umwelttechnik, erneuerbare Energien oder z.B. Aufforstungen mitfinanzieren.

Woher weiß ich denn, was meine Bank mit meinem Geld macht?

Das kann man zum Teil nachlesen. Meist aber nicht auf den Seiten der Banken selbst, sondern mit Hilfe von Organisationen, die Datenbanken analysieren, Fonds genau unter die Lupe nehmen, direkte Gespräche mit den Banken führen. Eine solche Organisation ist Facing Finance in Berlin. Die haben eine Liste, den „Fair-Finance-Guide“, auf ihrer Homepage. Und da kann ich sehen, welche Bank „grün“ arbeitet und welche nicht.

Die großen Übeltäter?

Einige Banken wurden von Partnern von Facing Finance kontrolliert, in den Niederlanden und in Belgien zum Beispiel. Aber bei 1800 Banken in Deutschland sind auch nicht alle geprüft worden, sondern die Größten. Alleine die aufgeführten Banken im Fair Finance Guide zeigen aber schon, dass viele Banken was anderes versprechen, als sie dann wirklich machen – und wenn man genauer hinsieht, fragt man sich, warum man einigen Banken nicht längst den Rücken gekehrt hat.

Wie funktioniert ein Wechsel zu einer nachhaltigen Bank?

Man kann einen Kontowechsel-Service in Anspruch nehmen oder erstmal ein neues Konto bei einer nachhaltigen Bank anlegen und das andere etwas später auflösen. Ich habe das bei der GLS mit Sitz in Bochum mal ausprobiert – die ist auf Platz 1 im Fair Finance Guide und ich wollte eine Bank in erreichbarer Nähe. Ich habe online ein paar Daten von mir eingegeben, damit ein Konto beantragt, musste mich dann per Videochat mit Ausweis legitimieren – das geht auch per Post – und dann habe ich nur noch alle Unterlagen ausgedruckt, unterschrieben an die Bank geschickt und hatte innerhalb weniger Tage meine Bankkarten und Zugangsdaten.

 Woher weiß ich dann, wo mein Geld genau landet?

Ich kann mir bei einigen Banken Investitionsbereiche aussuchen. Eine nachhaltige Bank legt Positiv-Kriterien-fest, zum Beispiel Geschäftsfelder im Umwelt-, Gesundheits- oder Sozialbereich. Und sie schließen zudem problematische Geschäftsfelder aus, wie z.B. Kohle oder Kinderarbeit. Konventionelle Banken tun das nicht – geben vermutlich deshalb auch nicht ihre Geldgeschäfte preis.

Positiv-Beispiel

Die GLS-Bank hat zum Beispiel die Idee von Creapaper mitfinanziert, Papier aus Gras herzustellen.

Verpackungen sind ein häufig diskutiertes Umweltthema. Sie werden nach dem Auspacken meist direkt weggeworfen. Laut Umweltbundesamt waren es 2016 über acht Millionen Tonnen Verpackungsabfälle aus Papier, Karton und Holz. Um aus Holz Papier zu gewinnen, wird das Material mechanisch und chemisch bearbeitet. Kleine Holzstückchen werden in einer Lauge gekocht. Dabei wird Lignin entfernt, das im Holz als natürliches Bindemittel vorkommt. Je höher eine Pflanze, desto mehr Lignin ist enthalten und desto aufwendiger das Entfernen. Uwe D´Agnone ist Geschäftsführer von Creapaper in Hennef. Er hat ein Verfahren entwickelt, um aus getrocknetem Gras Wellpappe, Papier und zum Beispiel Eierkartons herzustellen.

Allerdings bestehen die Verpackungen und das Papier nicht zu 100% aus Gras – dafür ist das Material nicht fest genug. Es werden deshalb recycelte Altpapiere beigemischt. Letztes Jahr haben das Bundesumweltministerium und der Bundesverband der Deutschen Industrie Uwe D´Agnone den Deutschen Innovationspreis für Klima und Umwelt verliehen. Und weil für den Geschäftsführer nicht nur das Produkt, sondern auch der Weg dorthin zählt, hat er sich auch für die Finanzierung und Kreditgabe durch eine nachhaltige Bank entschieden. Und die GLS-Bank hat sich für ihn entschieden, und sein Vorhaben unterstützt.

Podcast über Graspapier in WDR5 Quarks

Gibt es weitere Möglichkeiten zu kontrollieren, ob eine Bank „grün arbeitet“?

Das Problem ist, dass Nachhaltigkeit sehr unterschiedlich definiert werden kann. Vielleicht behauptet eine Bank, dass sie nachhaltig anlegt und nicht in Kohlekraft investiert, dafür aber in den Neubau von Kohlekraftwerken. Alles eine Frage der Formulierung – und leider gibt es da keine gesetzlichen Regelungen. Es gibt auch ein paar Siegel, die Nachhaltigkeit bescheinigen sollen, wie z.B. das FNG-Siegel. Im deutschsprachigen Raum setzt es die Vorgaben des europäischen Dachverbands für nachhaltige Geldanlage um und steht für den Ausschluss von Kernenergie und die Einhaltung von Menschen- und Arbeitsrecht. Aber Facing Finance sieht auch hier einige Kritikpunkte. Man sollte also vergleichen, mit Beratern sprechen und sich Zeit nehmen Informationen einzuholen. Das Gleiche gilt für nachhaltige Altersvorsorge.

Ist nachhaltiges Wirtschaften und die Regulierung dazu nicht Aufgabe der Politik?

Die Politik ist für gewisse Rahmenbedingungen verantwortlich. Aber am Ende haben die Kunden die Entscheidungsmacht. Nur so ist ein schnelles Handeln möglich. Ich kann also heute wechseln. Organisationen wie Facing Finance und Co können dabei helfen, Banken konfrontieren, und die Medien können über dunkle Geschäfte berichten, aber am Ende kann nur der Kunde Druck ausüben. Wenn Kunden sich erkundigen und ggf beschweren und in dem Zuge die Bank wechseln, erst dann haben die Bankgeschäfte nicht-nachhaltiger Banken auch Konsequenzen. Studien von Instituten und Hochschulen zeigen mittlerweile auch ganz klar, dass „nachhaltig arbeitende Banken“ genauso,  wenn nicht sogar sicherer sind, weil erneuerbare Energien, Elektromobilität und Co ein Wachstumsmarkt sind – und dort wird ja investiert. Trotzdem lohnt sich der Vergleich, denn einige Banken bieten kostenlose Depotführung an, andere nehmen Gebühren, so wie konventionelle Banken meist auch.

Nachhaltige Geldanlagen könnten unsere Umwelt und das Klima retten – und das schneller als viele andere Maßnahmen wie Verzicht auf Plastikverpackungen, Fleisch und Dieselfahrzeuge, so Sarah Guhr von Facing Finance. Dass alle Banken für die Einhaltung der Klimaziele mit verantwortlich sind und deren Geldgeschäfte öffentlich sein sollten, dafür kämpft die Nicht-Regierungs-Organisation in Berlin.