Energiewende – für jeden Einzelnen, ganz persönlich und individuell. 2017 lag der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch bei 36 Prozent. Bis zum Jahr 2025 sollen es in Deutschland 40 Prozent sein. So sieht es das Erneuerbare-Energien-Gesetz – kurz EEG – vor. Wer in einer Mietwohnung lebt, hat zwar nur wenige Optionen seinen Strom „grün“ zu beziehen (mehr dazu Mo 1.10. in WDR5 QUARKS), jetzt geht es aber erstmal um Menschen, die ihre persönliche Energiewende schon gewagt haben, die umgerüstet haben und ihren eigenen Strom gewinnen, zum Beispiel mit Hilfe von Sonnenenergie.

Die absehbare Verknappung fossiler Brennstoffe wird zu erhöhten Preisen führen. Ein zusätzlicher Grund die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu reduzieren und die Weichen für erneuerbare Energien zügig zu stellen. Die Grünköpfe haben ein paar private „Energieerzeuger“ besucht (ah).

Sonnenenergie

Mit der Sonne als Energiequelle können elektrische Energie und Wärmeenergie erzeugt werden. Diese Umwandlung von Sonnenlicht in Strom wird als Photovoltaik bezeichnet. Die Solarthermie dient der Erzeugung von Wärme aus Sonnenenergie. Immer mehr Deutsche nutzen „Solarzellen“ – einer davon ist Markus aus Köln. Er hat vor ein paar Jahren ein altes Haus gekauft und umgebaut. Für ihn war schnell klar, dass er unabhängig von gängigen Stromanbietern sein möchte. Er entschied sich für Photovoltaik und Solarthermie auf dem Dach:

„Wir hatten verschiedene Solarbauer hier, die meinten geht nicht. Geht doch. Das soll einfach ein Beispiel sein, dass bei einem alten Haus mitten in der Stadt, nach Norden ausgerichtet, es geht. Wir produzieren doppelt so viel Strom wie wir verbrauchen.“

Die Rechnung

In der Regel ist zunächst eine größere Investition nötig. Für Markus wird sich diese Investition inklusive sämtlicher Umbaumaßnahmen am und im Haus nicht so schnell rentieren – und dennoch hat er sich für die nachhaltigere Lösung entschieden. So hat er noch einen Verbruahc von 300 Euro variablen Kosten für Warmwasser und Heizung.

„Wenn du es nicht machst sind es vielleicht 2000 Euro – macht auf zehn Jahre 18.000 Euro. Dafür kriegst du dein Haus nicht gedämmt und saniert.“

Für die Zukunft

Aber rein um das Sparen geht es sowieso nicht, sagt Markus Schulz. Der CO2-Ausstoß muss reduziert werden. Und wir müssen an die nachfolgenden Generationen denken. Auch Ralf aus Pulheim hat sich vor zehn Jahren für Photovoltaik entschieden, als er das elterliche Wohnhaus gekauft hat, erklärt er am Telefon:

Wir haben eine Wärmepumpe, die macht Wasser warm über Strom und ich wusste, wenn ich Photovoltaik habe, ist meine Bilanz ausgeglichen, auch wenn ich den Strom erst an die Energieunternehmen verkaufe.“

Nicht alles grün

Er speist seinen gewonnen Energie in das öffentliche Netz ein und holt es sich quasi wieder zurück. Nach 20 Jahren hat er damit vielleicht gerade Mal 5000 Euro verdient. Davon gehen Wartung und Ersatzgeräte ab. Also kein großer Gewinn. Aber er ist autonomer und zufrieden und die Energiekosten belaufen sich jährlich auf rund 700 Euro statt vorher 1400 Euro. Allerdings findet Ralf einige Dinge noch sehr unausgereift. Eine Wärmepumpe braucht ebenfalls Strom um Energie zu erzeugen, aber wo der herkommt wird gar nicht berücksichtigt bei der Energie-Einspar-Verordnung, bemängelt er. Es könnte auch Atomstrom sein.

„Bei einer Wärmepumpe brauche ich Wärmepumpenstrom und selbst wenn ich es ökologisch machen wollte, bin ich Köln an den Grundversorger gebunden.“

Auch umgerüstet hat Dirk aus Kleve. Er hat 2012 ein Haus gekauft, im Zuge der Sanierung das Dach neu isoliert und Photovoltaik installieren lassen. Zudem hat er die alte Ölheizung abgeschafft und sich für eine neue Gasheizung mit Pufferspeicher entschieden:

„Die Heizungsanlage, der Brennkessel ist relativ kompakt, hat aber noch ein großes Fass, knapp zwei Meter hoch und da sind 850 Liter Wasser drin und die werden wohl von den Solarkollektoren als auch vom Gaskessel aufgeladen. Darin gibt es zwei Heizkreise – das eine für die Raumheizung, das andere für das Warmwasser.“

Amortisation

Der Austausch der Anlage hat ihn 22.000 Euro gekostet. Er wurde mit 4.000 Euro Fördergeld bezuschusst, macht 18.000 Euro Extrakosten. Hat sich das gelohnt? Seine Kosten im Ölverbrauch damals lagen bei knapp 2.000 Euro. Im Schnitt liegt er heute bei 850 Euro. Wenn man Wartungskosten mit reinrechnet, spart er im Jahr etwa 1.000 Euro. Weil natürlich auch eine andere Heizung eine Investition gewesen wäre, hat Dirk etwa 10.000 Euro extra gezahlt, die sich in maximal zehn Jahren amortisieren. Durch die vielen Sonnentage in diesem Jahr hat Dirk seine Energie für Wärme rein über die Solarzellen auf dem Dach gewinnen können und kein Gas verbraucht – das macht auch noch ein gutes Gefühl, sagt er.

Tipps der Verbraucherzentrale

Weil erneuerbare Energien nicht immer konstant verfügbar sind, rät die Verbraucherzentrale, verschiedene erneuerbare Energieträger zu kombinieren und den erzeugten Strom am besten zu speichern. Gerade bei Neubauten können solche Maßnahmen problemlos bei der Planung berücksichtigt werden. Im Rahmen des „Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes“ ist die anteilige Nutzung regenerativer Energien bei der Wärmegewinnung mittlerweile eh Pflicht.

Energieautarkie in der Forschung

Auch Ingo Groß hat sich vor knapp zwölf Jahren für seine eigene Energie entschieden und ein Nullenergie-Kostenhaus gebaut:

„Die beste Heizung ist die Dämmung – wir haben 35cm Dämmung an der Wand und 25cm am Dach, d.h. das ganze Haus ist mit einer Art Daunenjacke eingepackt.“

Schon mit einer über zehn Jahre alten Photovoltaikanlagen-Technik und einer gedämmten Bauweise lässt sich fast eine bilanzielle Null-Energie erreichen. Eine überschlägige Beispiel-Rechnung zeigt, wie bei einem sehr gut gedämmten und kleinen Haus mit einer größeren PV-Anlage Null-Energie möglich ist. Dabei ist die Autarkie von Wohngebäuden nicht nur seine private Passion, sondern auch sein Beruf. Als Professor für Automatisierungstechnik an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin forscht er zum Thema Energieautarkie:

„Es kann ja durchaus so gesteuert werden, dass der Trockner kurz stoppt, wenn Sie sich die Haarefönen. Wieso muss eine Anlagen auf 5 oder 6 kw ausgelegt sein, wenn sie sie nur eine Minute jeden Morgen brauchen?“

Bild: Professor Ingo Groß
Beispielrechnung Gesamtenergie für ein 120m²-Haus | Bild: Professor Ingo Groß

Zum Bild: Solch geringe Jahresheizenergie ist nur mit sehr guter Dämmung und einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung möglich. Interessant ist auch, dass der Heißwasserverbrauch dann die Hälfte der Energie ausmacht. Im Haus von Prof. Ingo Groß verbleiben noch 600 kWh/a, was Energiekosten von ca. 150€/Jahr entspricht, die allerdings durch eine höhere PV-Einspeisevergütung mehr als gedeckt sind. Mit einer neueren PV-Anlage könnte man heute auf der gleichen Dachfläche den Energiebedarf komplett abdecken und mit einem idealen Energiespeicher dann sogar autark sein.

Wieviel Leistung die Geräte abdecken müssen, hängt davon ab wie viele Geräte gleichzeitig genutzt werden. Es geht Prof. Ingo Groß darum, Vorgänge zu optimieren und Speicherkapazität zu sparen – privat, in öffentlichen Gebäuden und in großen Unternehmen.

„Wir sind technisch so weit, dass wir komplett umsteigen könnten auf die regenerativen Energien.“

Zum Bild: Der hohe Autarkiegrad ist momentan noch durch erreichbare Batteriekapazitäten begrenzt. Hier könnte eine intelligente Gebäudeautomation helfen, Batteriekapazität zu sparen und die Autarkie zu erhöhen. Dennoch sollte jetzt schon zur CO2-Neutralität erneuerbarer Strom für den Bedarf des Winterhalbjahrs (blaue Kurve) bezogen werden, der insbesondere durch Windkraft in dieser Jahreszeit optimal zur Verfügung steht und den sommerlichen Solarstrom optimal ergänzt. Prof. Ingo Groß möchte weg von der zentralen Energieversorgung. Er sagt, eine Nullkosten-Energiebilanz ist möglich und nun gilt es zu forschen und die Autarkie durch Automation zu erhöhen.

Wissen im Gespräch | Carl Fechner

Ebenfalls für Energieautarkie und eine sofortige Energiewende steht Carl Fechner, Journalist, Dokumentarfilmer, Aktivist und Visionär. Er war Gesprächsgast in WDR5 Quarks. Hier geht´s zum Podcast:

Podcast WDR5 Quarks

Spannende Links:

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie www.bmwi.de/Redaktion/DE/Dossier/erneuerbare-energien.html

Echtzeit-Darstellung Erneuterbare Energie-Gewinnung www.energy-charts.de/ren_share_de.htm

Bundesnetzagentur www.smard.de/home