Der Energieverbrauch in Deutschland wird zu einem steigenden Anteil durch erneuerbare Energien gedeckt. Von der EU-Vorgabe für 2020 ist Deutschland aber noch entfernt: demnach soll der Anteil bei 18 Prozent liegen.Wie schaffen wir das?

Nach Daten der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen waren es im ersten Halbjahr 14 Prozent und damit knapp 0,7 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Das Thema Energie ist dabei nicht nur ein politisches Thema und eines der Großverbraucher, sondern auch von uns Privatleuten. Was für Strom beziehen Sie Zuhause? Und wie kann man nachhaltiger Energie gewinnen? Damit beschäftigen wir als Grünköpfe uns diesen Monat. Jeden Monat geht es um ein anderes Nachhaltigkeitsthema und im September sind das „Energie und Naturstrom.“ Aber vorab zum Status Quo unserer Energiesituation in Deutschland: woher weiß man das eigentlich so genau mit diesen 14 Prozent erneuerbaren Energien?

Diese Zahlen die stammen von der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen. Das ist ein Verein, der aus der Wirtschaft gegründet wurde, aber mit dem Bund zusammenarbeitet. Die geben einmal pro Quartal neue Zahlen raus. Die Frage ist nun, ob wir bis 2020 wirklich das Ziel von 18 Prozent erreichen können.

Ein Plus für erneuerbare Energien

Laut AG Energiebilanzen verzeichnen sowohl Erdgas als auch die erneuerbaren Energien ein deutliches Plus, konkret bei der Windkraft gab es ein Plus von 15%, bei der Biomasse 1%, Solarenergie Plus 8% und die Wasserkraft steigerte ihren Beitrag um 9%. Beim Mineralöl sowie der Stein- und Braunkohle kam es dagegen zu Rückgängen. Dieses Zwischenfazit hat laut der AG eine Senkung der energiebedingten CO2-Emissionen um etwa 3% zur Folge. Allerdings reicht das noch nicht, sagen Klimaaktivisten.

„Wir müssen es nur wollen“

Technisch wäre es durchaus möglich, das Ganze schnell umzusetzen. Das sagt zumindest der Journalist und Dokumentarfilmer Carl Fechner. Er sagt, wir könnten Deutschland schon heute mit erneuerbaren Energien und intelligenter Technik mit Strom versorgen und alle Kohle- und Atomkraftwerke abschalten – wir müssen es nur wollen. Fechner sagt, wir müssen Energie-autark werden und das sei auch kein Problem, weil z.B. rund 3/4 unserer Dächer ungenutzt seien, obwohl sie für Photovoltaik und Solarthermie in Frage kämen.

Schritt 1

Wir möchten herausfinden, wie man sich seine eigene, kleine Energiewende gestalten kann. Schritt 1 ist dabei, den Stromanbieter zu wechseln. Mit einem Wechsel und gleichzeitiger Senkung des Stromverbrauchs können private Haushalte laut Stiftung Warentest ihre Stromkosten bei einem Vierpersonenhaushalt um 100 – 150 Euro pro Jahr senken.

Schritt 2

Schritt 2 ist dann selbst Energie gewinnen. Immer mehr Leute bauen sich Solarzellen auf ihr Dach. Und das lohnt sich – für Umwelt und für jeden persönlich. Eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher im Keller arbeitet ohne Emissionen und den Anschaffungspreis hat man durch die erreichte Stromersparnis und Erträge in wenigen Jahren wieder raus. Danach wirft die Anlage sogar Gewinne ab, um 200 Euro im Monat. Sie bringt also ein Plus in die Haushaltskasse, weil man den überschüssigen Strom in das öffentliche Netz einspeisen kann. Wir schauen mal, wie aufwendig 1. ein Wechsel des Stromanbieters ist und 2. was eine Montage kostet und wie lange sowas dauert. Energiegewinnung geht aber natürlich auch immer einher mit nachhaltiger Speicherung und Häusern mit entsprechender Dämmung – dazu kommen wir im November beim Thema „nachhaltig bauen und wohnen“.

Kosten im Jahr 2030

Das Potsdam-Institut für Klimafolgeforschung hat berechnet, dass 2030 die durchschnittlichen Kosten für erneuerbare Energien in Deutschland voraussichtlich rund 7,6 Cent pro Kilowattstunde betragen. Die gleiche Menge Strom aus neuen Erdgas- und Kohlekraftwerken wird dann voraussichtlich über neun Cent kosten. Aber es geht ja nicht nur darum Kosten zu sparen, sondern vor allem, die Umwelt nachhaltig zu schonen. Das Umweltbundesamt sagt, die Stromerzeugung ist heute für über 40% der energiebedingten CO2-Emissionen verantwortlich. Dass sich das ändern lässt, zeigen Vorzeige-Siedlungen in Deutschland: Die Gemeinde Bordesholm in Schleswig-Holstein war 1991 eine der ersten in Deutschland, die sich auf den Weg gemacht haben, energieautark zu werden. Mittlerweile hat ganz Schleswig-Holstein Vorbildfunktion. Zusammen mit Hamburg als Bundesland wollen sie sich bis 2035 zu 100% mit Ökostrom.

Mehr zum Thema gibt es im September hier im Grünköpfe-Blog und im WDR Hörfunk. Ende September ziehen wir dann Bilanz und sprechen mit Carl Fechner im WDR5 QUARKS Wissen im Gespräch.

Und hier geht es zum Podcast von WDR5 QUARKS mit Marlis Schaum: