In Deutschland gibt es laut Deutscher Gesellschaft für das Badewesen etwa 4975 öffentliche Bäder, davon sind 2700 Freibäder – Hotelpools und private Schwimmbäder nicht mitgerechnet. Ein Schwimmbecken mit 25m*10m*1.80m fasst 450m³ Wasser. Geht man davon aus, dass jedes Bad mindestens ein solches und noch weitere oder größere Schwimmbecken hat, dann kann man grob überschlagen, dass in Deutschland 5 Millionen Kubikmeter Schwimmbadwasser im Einsatz sind – einer Ressource, die Verantwortungsbewusstsein erfordert.

Freibad (c) Deutsche Gesellschaft für das Badewesen e.V.

Im Schwimmbad

Pro Badegast und Tag werden bei uns mindestens 30 Liter Frischwasser aufgefüllt. Und die Reinigung passiert 24 Stunden am Stück. Das ist wichtig, weil jeder Badegast etwa zwei Milliarden Mikroorganismen mitbringt, die im Wasser landen, so das Umweltbundesamt. Davon stammen die meisten von unserer Haut und sind harmlose Bakterien. Einige Bakterien können aber auch krankheitserregend und ansteckend sein.

Bäderatlas (c) Deutsche Gesellschaft für das Badewesen e.V.

Das Umweltbundesamt schreibt in seiner Broschüre „Rund um das Badewasser“, dass dazu Verunreinigungen von Haaren und Haut, Textilfasern, Kosmetika und Sonnenschutzmitteln, Speichel, Schweiß und Urin kommen.

Wasseraufbereitung

Um die Wasserqualität zu prüfen und zu sichern, gibt es eine Aufbereitungsanlage und mehrere Prüfschritte. Dabei kommen ebenfalls Bakterien, aber auch chemische Desinfektion in Form von Chlor zum Einsatz – in Deutschland in der Regel zwischen 0,3 und 0,6 Milligramm Chlor pro Liter Wasser. Wie genau die Berechnung, Analyse und Reinigung funktionieren, wird in der UBA-Broschüre spannend und ausführlich erklärt:

Broschüre zum Badeasser
Rund um das Badewasser (c) Umweltbundesamt

Chlor verflüchtigt sich mit der Zeit und unser Badewasser in Deutschland hat Trinkwasserqualität – so dass wir alle bedenkenlos schwimmen können. Riechen kann man Chlor nur, wenn es mit Harnstoff in Berührung kommt. Trotz des Chlors gilt aber unbedingt, dass jeder einzelne Badegast vor dem Sprung ins Wasser unbedingt gründlich duschen sollte und das Becken nicht als Toilette benutzt. Dann gilt auch, dass das Schwimmbeckenwasser in Deutschland Trinkwasserqualität hat und nichts passiert, wenn man aus Versehen ein paar Schlücke nimmt.

Sportschwimmen (c) Deutsche Gesellschaft für das Badewesen e.V.

Es gibt zwar zwei Alternativen zum Chlor, nämlich Ozon und Brom, aber die sind aufwendiger und teurer als Chlor. Eine weitere Möglichkeit ist die biologische Reinigung durch natürliche Bakterien, wie es in Naturbecken und Badeseen der Fall ist.

Badeseen und Naturbecken

Für Deutschland vergibt die Deutsche Gesellschaft für Umwelterziehung (DGU) alljährlich die „Blaue Flagge“ als Umweltauszeichnung an Badestellen, die neben einer ausgezeichneten Wasserqualität auch Anforderungen hinsichtlich des Umweltmanagements, der Umweltkommunikation, Strand-Service und Sicherheit erfüllen.

Schwimmsport

Wer oft schwimmen geht, zum Beispiel drei bis fünf Mal im Chlorwasser trainiert, der sollte seiner Haut nach der Einheit stets was Gutes tun. Doktor Ellen Meyer-Rogge, Dermatologin aus Karlsruhe, sagt: „Wasser trocknet die Haut aus. Deshalb sollte man sich nach dem Schwimmen mit Lotion oder Öl eincremen.“ Einige reagieren aber nicht mit Trockenheit auf Chlor, sondern eher mit Chlor-Akne, also kleinen Entzündungen an Rücken, Dekoletté oder Oberarmen. „Dann helfen austrocknende Cremes“. Oder man schwimmt in Salzwasser.

Schwimmmeister gesucht

In Deutschland gibt es in einigen Städten übrigens ein deutliches Personalproblem. In Bielefeld zum Beispiel sind einige Stellen auf jeden Fall nicht besetzt. Laut der Stadtwerke konnte in Bielefeld in den letzten Jahren immer nur eine von zwei Azubi-Stellen besetzen, das gilt auch für dieses Jahr. Außerdem wird eine bereits fertig ausgebildete Fachkraft gesucht – aber nicht gefunden. Dazu fehlen in der Freibadsaison Rettungsschwimmer. Auch in Münster werden Mitarbeiter gesucht. Ein Badleiter aus Hessen hat anonym berichtet, dass er und seine Kollegen bis zu 800 Überstunden im Jahr machen – das sind etwa 15 Stunden pro Woche. Düsseldorf, Essen und Dortmund sind aber zum Beispiel gut besetzt und zufrieden.

Anzeichen auf Fachkräftemangel

Aus verschiedenen Quellen lässt sich zusammen rechnen, dass vermutlich rund 400 Fachkräfte in NRW fehlen könnten. Die Bundesagentur für Arbeit hat aktuell ermittelt, dass die Vakanzzeit von freien Stellen in dieser Berufsgruppe gestiegen ist, d.h. ausgeschriebene Stellen wurden 2017 im Schnitt 79 Tage nicht besetzt – vier Jahre davor waren es nur 55 Tage. Daraus kann man zumindest schließen, dass es bei der Berufsgattung „Fachangestellte für Bäderbetriebe“ Anzeichen für einen Fachkräfte-Engpass gab und gibt.

Ausbildung & Job

Einige Schwimmmeister berichten, dass die große Verantwortung nicht jedem liegt. Man arbeitet zudem, wenn andere frei haben, verdient nicht besonders viel und muss eine nicht ganz leichte praktische Prüfung am Ende der dreijährigen Ausbildung bestehen – u.a. mit 100m Schwimmen in 1:30min, 300m Kleiderschwimmen in 12min und 35m Tauchen. Eric Voß von der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen sagt:

Als Schwimmmeister ist man Manager, Aufsicht, Animateur, Psychologe, Schwimmlehrer und Kursleiter, Techniker, müssen vor Gefahren schützen, das Wasser aufbereiten, handwerkliches Geschick haben, mit Motoren, Pumpen und Chemikalien umgehen können.

Damit wieder mehr junge Leute sich für den Beruf interessieren und nicht von der praktischen Prüfung abschrecken lassen, wird darüber nachgedacht, die Ausbildungsinhalte anzupassen. Momentan liegt die Durchfallquote bei den Abschlussprüfungen zwischen 30-40 Prozent im praktischen Teil. Im Kreis der „Bäder Großstädte“ – einem von der „Deutschen Gesellschaft für das Badewesen“ moderierten Gesprächskreis – war das Ausbildungsthema deshalb kürzlich ein Diskussionspunkt. Unter der Überschrift: „Fachkräftemangel, mit einer anderen Ausbildung und einem anderen Berufsbild dem Fachkräftemangel begegnen“  sind Belange wie Kundenbetreuung, Abrechnung und Buchhaltung, Werbung, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit angesprochen worden und den Badbetreibern ist klar, dass eine Anpassung mittelfristig erforderlich werden wird, bestätigt Kurt Uhlendahl, Abteiltungsleiter Bädermanagement aus Essen.

Gründe für den Fachkräftemangel

Der Mangel kann u.a. am demografischen Wandel liegen und dass viele junge Leute nicht mehr körperlich arbeiten wollen, mutmaßen einige Badleiter. Außerdem fehlt es zum Teil an Schwimmnachwuchs, weil weniger in Schulen und Vereinen geschwommen wird. Umso erfreulicher die Nachricht, dass die Stadt Köln rückwirkend bis Anfang 2018 auf Schwimmbadgebühren für Sportvereine verzichtet. Ein guter Grundstein, um zukünftig wieder mehr ausgebildete Fachkräfte im Badewesen zu gewinnen. Denn eigentlich macht der Beruf richtig viel Spaß, so Voß:

Man kann Leben retten, Kindern, die ihr Seepferdchen schaffen, ein Abzeichen überreichen, bringt Nicht-Schwimmern schwimmen bei und ist im Sommer viel draußen.“