Anders als in anderen Gegenden der Welt mangelt es bei uns ja nicht an Wasser – wir drehen den Hahn auf und bekommen Wasser, das wir bedenkenlos trinken können. Wir duschen, wir baden, wir gießen unsere Blumen, putzen unsere Wohnungen und genießen den Sommer im Schwimmbad. Aber müssten wir nicht eigentlich Wasser sparen?

Das muss man sich tatsächlich genauer anschauen. Ein Argument ist immer wieder, dass Wassersparen zu Problemen in den Rohrleitungen führt. Und das ist auch tatsächlich so. Es hat mit dem demografischen Wandel zu tun, mit der Landflucht aber auch damit, dass wir seit den 90er Jahren viel getan haben, um in unseren Haushalten Wasser zu sparen: 20 Liter pro Kopf pro Tag weniger als 1991.

Wir sparen mehr als erwartet

Die Armaturen sind heute besser, genauso wie die Waschmaschinen und Geschirrspüler sparsamer geworden sind. Und wir haben ein ganz anderes Bewusstsein für den Wert von Wasser als früher, durch Aufklärung und Wassersparkampagnen. Aber: Viele Rohrleitungen, Wasserwerke und Kläranlagen sind in der Annahme geplant worden, dass der Wasserverbrauch steigen würde, heute also etwa beim doppelten dessen liegt, was wir tatsächlich verbrauchen. Das heißt, das ist alles ziemlich überdimensioniert. Und dadurch fließt das Trinkwasser in manchen Regionen in Deutschland zu langsam durch die Rohre und es können sich Keime bilden. Und genauso spült das Abwasser zum Teil nicht mehr alle Ablagerungen aus der Kanalisation.

Also alle Hähne aufdrehen und raus mit dem Wasser?

Das alles ist kein Freibrief zum Wasserverschwenden. Gerade bei Warmwasser kommt nämlich noch eine zweite Komponente hinzu: Die Energie, die benötigt wird, um das Wasser zu erhitzen. Das Umweltbundesamt schätzt, dass Warmwasser mehr als ein Zehntel des gesamten Energiebedarfs eines Haushaltes ausmacht. Jeden Tag ein warmes Vollbad zu nehmen, ist also nicht nachhaltig, genauso wie es beim Waschen auch mal der 30 Grad-Waschgang tut. Das ist dann auch nicht nur besser für die Umwelt, sondern auch für unsere Nebenkostenabrechnung.

Nicht Sparen sondern sauber halten

In Kölns größtem Klärwerk kommen pro Sekunde rund 4.700 Liter Abwasser an. Gereinigt wird es in drei Stufen – aber nur zu 96 Prozent, denn nicht alle Stoffe können gefiltert werden. Mikroplastik und Hormone sowie Medikamenten-Rückstände landen trotz der Filterung im Klärwerk meist im Rhein und am Ende auch im Meer. Um das in Zukunft zu verhindern, gibt es Institute, die an einer 4.Reinigungsstufe forschen.

Es gibt z.B. das Projekt Wasser 3.0 aus Karlsruhe. Leiterin ist Dr. Katrin Schuhen. Mit ihrem Team hat sie einen speziellen Filter aus Hybridkieselgel entwickelt. Der kann viele Verschmutzungen wie Chemikalien aus Düngern, Medikamente und sowas aus dem Wasser klären. Die landen sichtbar in Tennisballgröße als Schmutzkugeln auf der Wasseroberfläche. Gerade wird dafür die erste große Kläranlage gebaut.

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Das Schwimmbad ist der falsche Ort zum Wassersparen

Kampf dem Mikroplastik

Was wir noch tun können: Zum Beispiel beim Kauf unserer Kosmetikprodukte darauf achten, dass die kein Mikroplastik enthalten. Wir können Waschbeutel für Kleidung aus Synthetikfasern verwenden und umweltschonende Wasch- und Reinigungsmittel kaufen. Ganz wichtig ist aber auch, dass wir uns bewusst machen, dass das Wasser, das wir zu Hause verwenden, nur ein kleiner Teil unseres tatsächlich Wasserverbrauchs ist. Stichwort: Wasser-Fußabdruck

Wasser sparen durch ein anderes Konsumverhalten

Der Wasserfußabdruck berechnet sich aus dem sogenannten virtuellen Wasser, das wir verbrauchen für unsere Nahrungsmittel und Konsumgüter. Mehrere Wissenschaftler haben den Begriff geprägt und gemeinsam mit der UNESCO ist ein Model entstanden, mit dem sich berechnen lässt, wofür wieviel Wasser verbraucht wird durch Produktion und Transport. Ein Beispiel: Mit jedem Paar Lederschuhe verbraucht man 8.000 Liter virtuelles Wasser. Und in jedem Kilogramm Rindfleisch versickern 16.000 Liter virtuelles Wasser. Damit sind wir in Deutschland dann doch nicht so die Wassersparer: Eine Badewanne voll holen wir uns täglich etwas aus der Leitung. Dazu kommen pro Tag pro Nase noch im Schnitt 25 Badewannen, versteckt in den Dingen, die wir essen, tragen und im Alltag nutzen.