Wusstet ihr, dass in einer Tasse Kaffee 200 Liter Wasser stecken? Und in einer Jeans sogar 8000 Liter? Für die Produktion von Produkten – egal ob sie zum Essen, Trinken oder Anziehen sind – wird Wasser verbraucht. Und dieser hohe Verbrauch an sogenanntem „virtuellen Wasser“ hat Folgen.

Dass wir beim Zähneputzen das Wasser ausdrehen ist ein guter Anfang. Laut Umweltbundesamt verbrauchen wir Deutschen pro Kopf etwas über 120 Liter Wasser am Tag – aus dem Wasserhahn, also zum Großteil zur Körperpflege, aber auch als Trinkwasser, Spül- und Waschwasser. Wir sind mit dieser Zahl im weltweiten Vergleich sogar echte Wassersparer. Aber im Gegensatz dazu verbrauchen wir überproportional viel „unsichtbares Wasser“, das „virtuelle“ Wasser.

Wasserverbrauch

Wasserfresser Kaffee

Neben der Füllung der Kaffeemaschine und dem Spülwasser für die Tasse selbst wird Wasser schon beim Anbau der Bohne verbraucht. Der Kaffeebauer nutzt Maschinen und Treibstoff, die Plantagenarbeiter trinken und waschen, der Kaffee muss gereinigt, veredelt, transportiert und verkauft werden. Wer seinen Kaffee dann auch noch mit Milch trinkt, ahnt vielleicht schon: eine Kuh muss trinken und fressen und ihr Futter wird angebaut – unter hohem Verbrauch von viel Wasser. Das meiste virtuelle Wasser schluckt allerdings die Landwirtschaft bzw. die Fleischproduktion, nämlich 92 Prozent des weltweiten Wasserverbrauchs – auch wenn das zum Großteil Regenwasser aus dem Boden ist. Um die Zahlen mal zu veranschaulichen: dieser Verbrauch entspricht 25 Badewannen pro Tag und Kopf. Das hat das Institut für Water Engineering der niederländischen Universität von Twente errechnet.

Bio hilft

Nein, aber es hilft durchaus, auf die Herkunft zu achten und im besten Falle auf Bio-Siegel. Wir müssen auch nicht krampfhaft Wasser sparen, wir sollten aber sorgsam damit umgehen. Denn Wasser ist Teil eines Kreislaufs. Wasser verdunstet an der Erdoberfläche und kommt als Regen oder Schnee wieder zu uns zurück, landet im Grundwasser, damit wächst unser Gemüse, die Tiere trinken davon. Ist das Wasser verschmutzt – durch Chemikalien aus Medikamenten, aus der Industrie, kommt es früher oder später möglicherweise auch mit solchen Rückständen zurück zu uns auf den Teller, ins Glas oder auf die Haut. Es geht also vor allem darum, den Wasserkreislauf in Fluss und dabei so sauber wie möglich zu halten.

Wasserkreislauf

Wasser mit Topqualität

Unser Wasser hat Trinkqualität, weil es gereinigt und gefiltert wird. Allerdings werden immer wieder Rückstände und Verunreinigungen gefunden – in Stichproben von Gesundheitsbehörden und Forschungsinstituten. Und die EU kritisiert, dass an mehr als einem Viertel der Messstationen der Grenzwert für Nitrat im Grundwasser überschritten wird. Damit wird die Aufbereitung des Wassers komplizierter und damit im Zweifel auch für uns teurer. Zu dem Thema spreche ich diesen Monat u.a. mit Doktor Katrin Schuhen, Leiterin des Projekts namens Wasser 3.0 aus Karlsruhe – hier will man Wasser noch besser von allen Rückständen reinigen. Das Team aht einen speziellen Filter aus Hybridkieselgel entwickelt, der in einer zusätzlichen Filterung viele Verschmutzungen wie Chemikalien aus Dünger, Medikamente und Co aus dem Wasser klären kann. Die landen sichtbar in Tennisballgröße als Schmutzkugeln auf der Wasseroberfläche. Gerade wird dafür die erste große Kläranlage gebaut.

Wasser 3.0 Wasserreinigung
Wasser 3.0 Wasserreinigung

Umgang mit Wasser

Deshalb ist es auch wichtig, dass jeder Einzelne jetzt schon pfleglich mit Wasser umgeht, sagt das Institut für Hydrologie der Uni Oldenburg. Experten raten dringend, Medikamente, Farben und Müll keinesfalls in der Toilette runterzuspülen. Sein Auto zum Beispiel in der Waschanlage zu putzen, damit keine Reinigungsmittel und Ölreste ins Grundwasser gelangen, dass man biologisch abbaubare Wasch- und Reinigungsmittel kauft und Produkte aus ökologischem Anbau zu kaufen, weil so weniger Pestizide und Dünger in das Grundwasser und in Flüsse, Seen und Meere kommen.

Abwasser

Und es wichtig schon Kindern zu zeigen, wohin das Abwasser geht, wie es aufbereitet und dann zurück in die Natur gegeben wird und was alles in die Toilette gehört, und was nicht. Und am eindrücklichsten lernen Kinder das, wenn sie es selbst sehen – und riechen… Ein Besuch im Kölner Klärwerk in Stammheim zusammen mit der Wasserschule Köln und einer dritten Klasse war das Erlebnis sehr intensiv:

Wasserprojekte

Genau. Die Trinkwasserverordnung legt aber Grenzwerte für Bakterien im Wasser fest. Die werden streng kontrolliert, so dass wir keine Gesundheitsrisiken befürchten müssen. Leitungswasser trinken ist auch umweltfreundlicher als gekauftes Mineralwasser. Denn ich verbrauche weder für den Transport noch die Verpackung CO2. Und der Liter kostet mich umgerechnet nur etwa 0,2 Cent pro Liter. Allerdings haben natürlich auch die Rohre und Leitungen in unseren Häusern Einfluss auf die Wasserqualität. Wir werden uns beraten und unsere heimische Wasserqualität testen lassen. Und wir wollen rausfinden, was wir im Alltag sonst tun können für sauberes Wasser. Da spielt auch das Waschen von Kleidung eine Rolle. Stichwort Mikroplastik. Wir besuchen ein Klärwerk in Köln und werden Projekte vorstellen, die die Ozeane wieder säubern möchten.

Das Kick Off-Gespräch in WDR5 Leonardo gibt´s hier im Podcast:

Am 5.Juni läuft der Beitrag über den Besuch im Klärwerk Köln Stammheim mit der Kölner Wasserschule.