Nachhaltiger leben – das möchten wir Grünköpfe in diesem Jahr versuchen. Wir kümmern suns jeden Monat um ein anderes Nachhaltigkeitsthema und im Mai ging es um nachhaltiges Arbeiten: technische Geräte und deren Nutzung im Büro oder im Homeoffice, grüne Suchmaschinen und Handytarife, um das Thema Drucken und den Weg zur Arbeit. Wo können wir unseren Beruf nachhaltiger gestalten oder der Umwelt (angeblich) sogar was Gutes tun? Und kann ich mit einer grünen Suchmaschine die Welt retten?

Leider ist das nicht ganz so einfach. Aber ich kann immerhin einen einen Beitrag leisten, den Regenwald aufzuforsten, indem ich online surfe und nach Wörtern suche.

Suchmaschinen im Netz

Wenn ich einen Begriff im Internet suche, wird meine Anfrage an mehrere Rechenzentren geleitet, die suchen parallel nach einer Antwort. Nicht nur mein Computer, sondern alle beteiligten Rechner, Monitore und Server – deren Räume dazu aufwendig gekühlt werden müssen – verbrauchen sehr viel Strom. Der Harvard-Physiker Alex Wissner-Gross hat ausgerechnet, dass der Aufruf einer komplexen Internetseite bis zu 300 mg CO2 pro Sekunde verursacht. Und zwei Suchen bei Google angeblich so viel Energie wie das Erhitzen von Wasser für eine Tasse Tee bzw 14g CO2-Emissionen. Andere wollen ermittelt haben, dass einmal googlen einer Stunde Licht entspreche. Google selbst gibt natürlich viel weniger an, nämlich dass 100 Suchanfragen so viel Strom verbrauchen wie das Bügeln eines Hemdes.

Alternative Suchmaschine Escosia
Alternative Suchmaschine Escosia

So oder so: weltweit ist die IT-Branche inkl. Internet für einen nicht unbedeutenden Anteil an CO-Emissionen verantwortlich. Dazu kommt, dass mir Werbung anzeigt wird – von Unternehmen, die eher selten grüne Ziele verfolgen. Deshalb macht es zum Beispiel Sinn wenigstens alternative Suchmaschinen zu nutzen, sagen Nachhaltigkeitsforscher.

Diese gibt es

Escosia ist eine Suchmaschine, die seit zehn Jahren existiert. Betrieben wird sie von einem Berliner Unternehmen, das sagt 80 Prozent der Werbeeinkünfte für die Aufforstung des Regenwaldes zu spenden – also wenn ich auf ein Werbebanner klicke, fließt Geld. Unter der grünen Haube stehen aber Yahoo und Bing und damit landet man leider deutlich weniger Treffern als zum Beispiel mit Google. Mehr Treffer bringt Unbubble, eine anonyme europäische Suchmaschine, die mit Ökostrom gehostet wird – und zwar in Deutschland. Dann gibt es Ecosearch. Hier gehen laut Betreiber 100 Prozent der Gewinne an Organisationen mit nachhaltiger Zielsetzung. Die Suchergebnisse liefert in dem Fall Google. Dann gibt es noch UmLu, die UmweltLupe. Die verfügt über eine Datenbank, in der Unternehmen und Organisationen gespeichert sind, die auf Umweltkriterien geprüft wurden. Bei Benefind geht für jede zweite Suchanfrage 1 Cent an eine gemeinnützige Organisation wie die Welthungerhilfe oder eine Tierschutzorganisation.

Noch grüner: PC aus

Grün surfen ist ja schon ein guter Ansatz. Noch besser wäre allerdings, den PC einfach ganz auszumachen. Und zwar wirklich ganz aus – also nicht in den Standby-Modus. Sondern den Rechner ganz vom Strom nehmen. Ich hatte diesen Monat einen Energieberater von der Verbraucherzentrale zu Besuch in meinem Homeoffice und habe gelernt, dass Standby – vor allem bei älteren Geräten – alleine bei mir im Ein-Mann-Büro um die 100 Euro Stromkosten im Jahr verursacht und unnötiges CO2 verursacht.

Verantwortung der Verbraucher

Aber es steht nicht alles alleine in unserer Verantwortung. Seit sechs Jahren gibt es eine gesetzliche Regelung: die Ökodesign-Verordnung, die besagt, dass ein Netzteil im Standby nicht mehr als 0,3 Watt verbrauchen darf. Die EU verspricht sich davon Ersparnisse von jährlich 35 Milliarden kWh bis 2020. Und wir sollen laut Verbraucherzentrale ganz klar zu Ökostromanbietern wechseln. Was auch geht sind Smart Office-Lösungen.

Smart Office

Wichtig ist es erstmal einen Status Quo zu ermitteln, das geht zum Beispiel mit einem Online-Fragenkatalog der Deutschen Energie-Agentur. Dann sollte man sich Ziele setzen, z.B. zur Reduktion von Energiekosten, um die Messungen besser kontrollieren zu können. Das funktioniert gut mit einem Energiemanager oder Energieteam. Mitverantwortung ist hier ein Stichwort. Und dann können ganz unterschiedliche Systeme eingesetzt werden, z.B. Smart Metering.

Das digitale Messen und Senden von Energiedaten für Strom, Gas, Wasser und Wärme. Die digitalen Stromzähler erfassen Verbrauchsdaten elektronisch und schicken sie via Internet zum Mieter, Smart Metering-Anbieter oder Energieerzeuger, auch nachts, wenn gar keiner in der Firma ist. Man kann so z.B. auch von zuhause aus sehen, ob jemand das Licht angelassen hat – und es abstellen. Das läuft über einen Touchscreen – so kann ich auch die Kaffeemaschine ausschalten oder Heizungen zeitsteuern, Lampen und Drucker programmieren und Rauchmelder digitalisieren. Und das Gute: das Bundesministerium für Wirtschaft hat Fördergelder für mittelständische Unternehmen aufgelegt, die ihren Energieverbrauch konkret senken. Da gibt es Zuschüsse für Hardware und die Installation von bis zu 8.000 Euro.

Umdenken lohnt sich

Die Anschaffungskosten amortisieren sich oft schnell. Wer Hilfe braucht: in Köln gibt es ein Vorzeigebüro namens Stromondo, hier kann man sich beraten lassen. Kooperiert wird unter anderem mit digitalStrom.

Pressefoto (c) digitalSTROM
Pressefoto (c) digitalSTROM

Nachhaltiger: Homeoffice statt Pendeln

Wer noch mehr sparen will, sollte gar nicht erst ins Büro fahren, sondern im Homeoffice arbeiten. Das wäre eine große CO2-Ersparnis. Mehr als 18 Millionen Menschen in Deutschland pendeln zur Arbeit. Im Durchschnitt 34km. Das macht grob 4kg CO2 pro Arbeitstag an dem gependelt wird. Für eine Person. Mal 18 Millionen… Um daran zu schrauben sind Förderungen fürs Jobticket, Ausbau von Fahrradwegen und besser Möglichkeiten für Fahrgemeinschaften im Gespräch. Die Homeoffice-Idee wird aber tatsächlich immer spannender. Viele können sich keinen teuren Wohnraum in der Stadt leisten. Wer alleine zwei Tage pro Woche von zu Hause arbeiten könnte, würde im Schnitt 368 Kilogramm CO2 im Jahr einsparen.

Nachhaltiger telefonieren?

Um zu telefonieren, gibt es „grüne“ Handytarife. Aber die haben ihre Haken. Der NABU zum Beispiel hat ein Angebot mit E-Plus. 15% Prozent des monatlichen Preises fließen in Natur- und Umweltschutzprojekte. Das Angebot lautet: monatlich 120 Freiminuten in alle Netze für 9,90 Euro. Danach 19 Cent pro Minute, 19 Cent pro SMS plus Handy-Flat für 8,90 Euro. Wenn ich viel telefoniere und texte komme ich da schnell auf Summen über 50 Euro. Dafür bekomme ich auch einen konventionellen Handytarif und kann das gesparte Geld direkt dem Nabu spenden, ohne es einem Mobilfunkanbieter in den Rachen zu werfen. Wenn ich nur den Freibetrag brauche kann es sich schon auch lohnen.

Gut informieren

Gleiches gilt für den Vertrag von Goood.de – von zehn Euro Grundgebühr pro Monat werden mit 10 Prozent Projekte wie z.B. das Deutsche Kinderhilfswerk oder die UNO-Flüchtlingshilfe unterstützt. Der Haken: enthalten sind 1 GB Datenvolumen sowie jeweils 200 Minuten und SMS pro Monat. Andere Anbieter, die dasselbe Netz nutzen, haben aber günstigere Tarife. Good ist ein Zwei-Jahres-Vertrag, der sich automatisch verlängert und nach der ersten Laufzeit gleich drei Euro pro Monat teurer wird. Dazu ist er an eine Datenautomatik gekoppelt, das heißt es wird automatisch und kostenpflichtig Datenvolumen nachgebucht. Ich kann das gesparte Geld also auch hier genauso gut direkt spenden.

Germanwatch

Um einen Überblick zu gewinnen, kann man sich auf einer Seite von Germanwatch, die heißt MakeITfair – hier werden deutsche Mobilfunkanbieter unter die Lupe genommen, was sie unter anderem für die Nachhaltigkeit leisten und was z.B. auch Handyproduktion für die Hersteller bedeutet. In einem regulären Handy werden bis zu 70 Materialien verbaut. Und die werden unter sehr unnachhaltigen Bedingungen gewonnen – um am Ende in unseren Schubladen zu verstauben.

makeITfair (c) Germanwatch
makeITfair (c) Germanwatch

WDR5 Leonardo MO 28.5.2018

Welche Alternativen es gibt, um nachhaltiger zu arbeiten, das gibt es im Radio-Podcast von Grünköpfe:

Und hier gibt´s noch das „Wissen im Gespräch“ mit Johanna von Sydow | Germanwatch Berlin:

Und hier gibt´s noch mehr WDR5 Leonardo auf´s Ohr. (ah)