Diesen Monat geht es bei uns um den Bereich Arbeit, Büro und Technik. Aber wir möchten nicht nur meckern und aufzeigen, wo es nicht so rund läuft, sondern auch Leute vorstellen, die mit gutem Beispiel voran gehen. Lukas Ley aus Köln zum Beispiel versucht seinen Arbeitsalltag so nachhaltig wie möglich gestalten. Er ist gelernter Kommunikationsdesigner mit einem Master of Art und hat eine kleine Druckwerkstatt namens Aller´Ley. Hier bezieht er nicht nur Ökostrom, sondern nutzt auch recyceltes Papier und uralte Maschinen. Und das ist alles andere als öko, sondern sogar sehr modern.

Lukas Ley

Lukas hat einen blonden Lockenkopf und trägt ein blau-weißes Karohemd. Er hat viel zu tun, aber für einen kurzen Besuch der Grünköpfe nimmt er sich Zeit und zeigt mir seine alten Schätze: Druckermaschinen, die er sich im Internet gesucht und zusammen gekauft hat.

„Das ist ein 100 Jahre alter Trettiegel. Der wurde für Bleisatz benutzt. Ich nutze ihn auch für Druckerzeugnisse auf digitaler Basis.“

Lukas Ley ist 28 Jahre alt und kommt aus dem Bergischen. Er hatte schon immer ein Faible für alte Maschinen – die man heute oft gar nicht mehr findet. Er möbelt sie selbst auf und rettet die Raritäten damit vor der Schrottpresse. Der Vorteil solcher alten Maschinen: sie werden oft manuell, also per Hand oder Fußpedal betrieben und brauchen demnach keinen Strom. Neuere Drucker und moderne Maschinen haben hingegen oft einen recht hohen Feinstaubausstoß und sind damit durchaus ein Thema.

Lukas Ley

Nachhaltigkeit und Druck passen gefühlt und ganz real nicht immer direkt zusammen. Früher wurden Schwermetalle in Farben genutzt, meist sind viele Chemikalien vorhanden. Lukas versucht in seiner Werkstatt Alternativen zu finden oder sie selbst zu entwickeln.

„Es gibt ökologisch abbaubare und wasserbasierte oder Bio-Farben, auch für T-Shirts.“

Beim Textildruck achtet Lukas aber nicht nur auf den Druck selbst, sondern auch auf das Material der zu bedruckenden Kleidung. Biobaumwolle ist bei ihm Standard.

Farbe aus Rote Beete

Lukas´ Bachelorarbeit trägt den Titel „Der ökologische Druckprozess“. Dafür hat er selbst Papier aus recycelten Fasern in einem alten Papiermuseum in Bergisch Gladbach geschöpft und seine eigenen Farben entwickelt – in seiner heimischen Küche. Die basierte auf Kohle und Leinöl. Und ein Bild hat er zum Beispiel mit Pigmenten aus Rote Beete gedruckt. Dafür hat Lukas eine transparente Basispaste aus Essig und Mehl gemacht und dann Rote Beete eingemischt. Für ihn bedeutet nachhaltiges Drucken aber auch, alte Farben zu nutzen, statt sie wegzuschmeißen.

Lukas Ley

Diese rote Farbe hier dürfte etwa 30 Jahre alt sein. Einige Farbtöpfe sind sogar aus den 70er Jahren. Anstatt sie auf dem Sondermüll oder sogar im Abfluss zu entsorgen, verwertet Lukas sie also lieber.

Ganzheitlich nachhaltig

Die Werkstatt von Lukas ist eine Art moderne Scheune im südlichen Köln, ein einziger Raum, etwa so groß wie ein Wohnzimmer, mit hohen Fenstern und einem kleinen Garten. Lukas ist wichtig, dass sein Konzept ganzheitlich nachhaltig ist. Er hat einen Ökostromanbieter und fährt am liebsten mit dem Fahrrad in die Werkstatt. Trotzdem sind weder Lukas noch seine Arbeit öko, sondern im Gegenteil, höchst modern.

Besondere Farben

Er nutzt auch konventionelle und ganz spezielle Farben und entwickelt sie zum Teil selbst. Gerade mischt er eine Spezialfarbe an, die verschwindet, wenn sie mit Tageslicht in Berührung kommt. So wie fluoreszierende Farbe im Schwarzlicht anfängt zu leuchten, verblasst diese Farbe dann und wird wie von Zauberhand transparent.

Recyclingpapier

Lukas Hauptfokus liegt darin Printprodukte mit einer besonderen Haptik zu machen, er möchte Emotionen auslösen, am besten schon beim ersten Anfassen – egal ob auf Textil oder Papier. Lukas liebt seinen Beruf und möchte der Umwelt nicht schaden. Dafür nutzt er so oft es geht auch 100prozentiges Recyclingpapier. Das ist heutzutage sehr schick und hat mit dem vergilbten Look von früher nichts mehr zu tun. Was Lukas an Verschnitten erzeugt, verwertet er weiter.

Wertigkeit

Natürlich sind nachhaltiges Material und die Handarbeit ein Kostenfaktor. Aber dafür haben Lukas´Produkte auch eine ganz andere Werbewirkung. Und das ist ein absoluter Gewinn für seine Kunden. Ganz nachhaltig.

Lukas Ley

Portrait in WDR5 Leonardo

Am Freitag (25.Mai) lief die Reportage mit Lukas bei WDR5 Leonardo im Radio: