Nachhaltiger leben – das geht schon mit vielen kleinen Dingen, egal ob Zuhause oder im Büro. Diesen Monat geht es bei den Grünköpfen um die Themen „Arbeit, Büro und Technik“. Und unsere Technik, all unsere elektronischen Geräte, werden ja nun einmal mit Strom betrieben, vom Computer bis zur Kaffeemaschine. Und weil Strom Ressourcen verbraucht, sollten wir sparsam damit umgehen. Wissen wir. Kein Problem. Es gibt ja schließlich die Funktion „Standby“. Aber leider ist die oft gar kein Stromsparer, sondern das genaue Gegenteil.

Ich hatte Besuch von einem Energieberater – und war sehr überrascht. 

Darüber, dass ich pro Jahr grob überschlagen rund 100 Euro Stromkosten nur für den Standby-Modus meiner Geräte bezahle. Also dafür dass sie nicht aktiv in Betrieb sind, sondern herumstehen und im „Bereitschaftsmodus“ stehen.

Was ist Standby?

Die meisten Geräte stecken ja mit Kabel am Strom. Dauerhaft. Mein Computer und der Monitor zum Beispiel. Wenn ich den Computer länger nicht nutze, springt er irgendwann in einen Bereitschaftsmodus, das heißt der Bildschirm wird dunkel, etwas später geht dann auch der Rechner aus. Sobald ich die Maus bewege oder die Tastatur antippe, springt der Monitor aber wieder an. Die Geräte sind also stets bereit wieder zu arbeiten. Und diese sogenannten „Leerlaufverluste“ in Haushalten und Büros sind in Deutschland laut Umweltbundesamt für einen Stromverbrauch in Höhe von rund 22 Milliarden kWh pro Jahr, sprich 4 Milliarden Euro verantwortlich. Dafür sind zwei mittelgroße Atomkraftwerke notwendig. Standby ist also nicht automatisch die Umwelt- und Geldbörsen-freundlichere Variante, hat auch Energieberater Rudolf Klapper von der Verbraucherzentrale Köln mir erklärt:

 „Jeder Energiekonzern verdient am Mehrverkauf von Strom. Gleichzeitig könnten unsere Kraftwerksparks reduziert werden, wenn wir diesen Standby-Verlust nicht hätten. Das wäre für die Umwelt ein Profit.“

Rudolf Klapper hat mich im Homeoffice besucht, mit einem Energieverbrauchsmessgerät – das ist ein Netzstecker und eine Steckdose – das kommt als Zwischenstück zwischen meine eigentliche Steckdose und mein Gerätekabel. Sieht aus wie eine größere Fernbedienung und hat ein Display, wo mir der aktuelle Verbrauch in Watt angezeigt wird. Wenn ich das Gerät anmache, steigt der Stromverbrauch erst überproportional stark an und pendelt sich dann ein.

„Werden 100 Watt eine Stunde lang gebraucht, dann hat man 100 Watt-Stunden oder 0,1 Kilowattstunden – das ist die Einheit aus der Stromrechnung.“

Meine Schreibtischlampe mit Energiesparleuchte braucht z.B. eingeschaltet sieben Watt. Im Vergleich: Halogen-Deckenspots haben pro Stück bis zu 60 Watt. Wenn davon nur fünf Stück in einem Raum den ganzen Tag brennen, wird das richtig teuer. Wenn man bedenkt, dass einige Geschäfte und Büros nachts die Beleuchtung anlassen, zahlt am Ende nicht nur die Firma, sondern vor allem die Umwelt. Strom stammt konventionell nun mal u.a. aus Atomkraft, Kohlekraft oder Verbrennung von Erdöl.

Lampe aus reicht nicht?

Bei einer Energiesparlampe mit einem An-Aus-Knopf ja. Bei einer Lampe mit Dimmer zum Beispiel kann das aber schon ganz anders aussehen, da habe ich ein Exemplar, eine schicke Deko-Leuchte mit normalen Glühbirnen. Wenn ich die anmache, braucht das am Anfang 100 Watt, dann pendelt sich der Verbrauch auch ca. 60 Watt ein. Richtig gewundert habe ich mich bei meinem Computer plus Drucker:

„Der PC ist aus, der Monitor ist aus, der Drucker ist auch mit dem Kabel angesteckt. Jetzt haben wir im Ruhezustand 10 Watt. Ein Watt kostet Standby im Jahr etwa 2,50 Euro. Das 25 Euro im Jahr.“

Als ich die Geräte einschalte, springt das Messgerät auf 80, mit Monitor sogar auf 123 Watt. In dieser Größenordnung befinden sich neuere Geräte, ältere brauchen deutlich mehr. Rechnen wir 100 Watt jetzt auf acht Arbeitsstunden, sind das schon 800 Watt oder 0,8 kwh pro Tag, das sind „nur“ 20 Cent, auf ein Arbeitsjahr gerechnet aber ca.60 Euro. Der Drucker verbraucht 20 Watt im Druckbetrieb, statt sieben Watt im Standby.

Und da sind weder mein Router noch mein Server eingerechnet. Die sind an einer anderen Steckdose. Und in einem Büro stehen ja meist mehrere PCs, die fast das ganze Jahr lang laufen oder zumindest betriebsbereit sind. Dazu kommt vielleicht in einigen Büros noch eine Musikanlage, die braucht bei mir im Standby schon sieben Watt, im Betrieb sogar 30. Das Aufladen meines Handys braucht ca. sechs Watt. Da kommen einige Kosten zusammen.

Wie spare ich Strom?

Erstmal sollte man einen Status Quo bestimmen. Die Messgeräte kann man kaufen oder in der Verbraucherzentrale ausleihen. Damit kann ich Kühlschränke, Kaffeemaschinen, die im Büro permanent ja auf und zu, an und ausgehen, messen. Rudolf Klapper rät, sich mit allen Geräten genauer zu beschäftigen. Gerade Drucker, Faxgeräte und Server haben oft ein intelligentes Energiemanagement, das man zum Teil selbst konfigurieren kann – das kann dann durchaus auch im Standby Sinn machen. Am PC kann ich z.B. die Helligkeit anpassen, so wie beim Handy. Displays brauchen sehr viel Strom. Bei einer Neuanschaffung lohnt es sich genau auf die Gerätebeschreibung zu schauen. Ich sollte wo es nur geht Energiesparlampen einsetzen, nur so viel Wasser kochen wie ich brauche und z.B. nur drucken wenn es wirklich nötig ist.

Mehrfachstecker für die Umwelt?

Nicht immer, selbst wenn der ausgeknipst wird kann es je nach Gerät zu Leerlaufverlusten im Standby kommen. Meine Kaffeepadmaschine hat z.B. einen Grundverbrauch im Aus-Modus. Sobald ich sie anmache, geht es richtig hoch. Gerade bei Warm-Wasser-Geräten wird es schnell richtig teuer. Beim Aufheizen des Kaffeewassers hat das Energieverbrauchsgerät 1300 Watt gemessen. Wasserkocher steigen am Anfang auf ca.2500 Watt, Spülmaschinen noch viel höher, ganz fies sind Durchlauferhitzer. Stromverbrauch messen und kontrollieren kann man zum Beispiel mit Smart-Home-Lösungen, also mit Hilfe einer Handy-App – ist nur aufwendiger und man muss sich einmal richtig mit dem Thema auseinander setzen.

Wer ist verantwortlich?

Seit 2013 gibt es eine gesetzliche Regelung: die Ökodesign-Verordnung, die besagt, dass ein Netzteil im Standby nicht mehr als 0,3 Watt verbrauchen darf. Die EU verspricht sich davon Ersparnisse von jährlich 35 Milliarden kWh bis 2020. Und wir sollen laut Verbraucherzentrale ganz klar zu Ökostromanbietern wechseln. Das wäre zumindest schon mal umweltfreundlicher.

WDR5 Leonardo

Und hier könnt ihr das Gespräch von WDR5 Leonardo nachhören.