Das Konto ist überzogen aber der Monat ist noch nicht mal zur Hälfte rum? Das ist nicht nur ärgerlich, sondern es könnte auch ganz schön schwierig werden, über die Runden zu kommen. Vor allem, wenn ihr ständig so lebt. „Mache ich aber gar nicht“, denkt ihr jetzt vielleicht. Ok, für euer Konto mag das stimmen. Trotzdem lebt ihr auf Pump. Die Schulden habt ihr nur nicht bei der Bank, sondern bei dem Planeten, auf dem ihr lebt. Und bei den nachfolgenden Generationen. Denn für uns ist jetzt schon Weltüberlastungstag : Deutschland lebt ab heute auf Pump.

Wir leben über unsere Verhältnisse

Rein rechnerisch haben wir gestern unsere natürlichen Ressourcen für 2018 aufgebraucht – also das, was wir zum Leben benötigen und unsere Welt aus eigener Kraft wieder herstellen kann. Die Forschungsorganisation Global Footprint Network berechnet jedes Jahr den sogenannten Earth Overshoot Day, den Weltüberlastungstag. Im weltweiten Durchschnitt betrachtet ist der normalerweise irgendwann im August. Aber da wir in Deutschland (so wie in vielen anderen Industrienationen) ganz schön über unsere Verhältnisse leben und zum Teil ganz schön gedankenlos mit unseren Ressourcen umgehen, haben wir unseren Kredit bei der Welt schon am 1. Mai aufgebraucht. Bedeutet: Alles, was wir ab heute für unseren Lebensstandard verbrauchen, kann die Welt nicht mehr aus eigener Kraft kompensieren.

Wir haben nur eine Erde

Um unseren Lebensstandard abzudecken wären drei Erden nötig. Würde jeder so leben, wie die Menschen in den USA, würden wir sogar fünf Erden brauchen. Und der Lebensstandard in China wäre nur mit 2,2 Erden nachhaltig zu decken. Die gesamte Weltbevölkerung bräuchte laut Germanwatch 1,7 Erden, um den globalen Bedarf an natürlichen Rohstoffen wie Ackerland und Wäldern nachhaltig zu decken. Wir stoßen also deutlich mehr Kohlendioxid aus, als Wälder und Ozeane absorbieren können, fischen die Meere schneller leer, als sich die Bestände erholen oder ernten mehr, als auf den Feldern nachwachsen kann.

Unser Natur-Konto ist im Minus

Um den Weltüberlastungstag zu berechnen, werden zwei Größen gegenübergestellt: Unser ökologischer Fußabdruck und die Biokapazität unseres Planeten. Es geht also darum, was wir für unser Leben und unsere Wirtschaft brauchen an Wäldern, Ackerland und Flächen. Und zum anderen geht es darum, wie gut die Welt das kompensieren kann, wie viel CO2–Emissionen sie aufnehmen kann und wie viel Resourcen sie neu aufbauen kann. Das wird mit Hilfe von Daten der UN berechnet.

Weniger ist mehr

Um den Termin des Weltüberlastungstags nach hinten zu verschieben, sind wir alle gefragt. Wir können weniger Strom verbrauchen, weniger Müll produzieren, mehr mit dem Fahrrad fahren und saisonale Lebensmittel kaufen. Würden wir es als Weltgemeinschaft schaffen, den CO2-Ausstoß zu halbieren, würde sich der Earth Obershoot Day um fast drei Monate nach hinten verschieben. Und damit würden wir fast keine Schulden bei unserer Welt mehr machen müssen.