30 Teile – mehr hatte ich im April nicht zur Verfügung. Und ganz ehrlich? Selbst das war zu viel. Meine Güte, warum haben wir eigentlich so viele Klamotten? Es ist wirklich Zeit zum Kleiderfasten. Aber der Reihe nach.

Warum Shopping schlecht für die Umwelt ist

Ich muss gestehen: Ich shoppe gerne. Ich shoppe viel. Und obwohl ich wirklich keinen großen Kleiderschrank habe, habe ich unfassbar viele – viel zu viele – Klamotten. Jedes dieser Teile hat irgendwo auf der Welt ein Menschen zusammengenäht. Einige meiner Sachen wurden zum Beispiel in Bangladesch gefertigt. Erinnert ihr euch noch daran, dass dort vor fünf Jahren eine Textilfabrik einstürzte? Mehr als 1.100 Menschen starben in den Trümmern.

Wenig Verbesserungen trotz großer Versprechungen

Nach dem Einsturz in Bangladesch hatten große Markenunternehmen ach langen Verhandlungen eine Vereinbarung zum Gebäude- und Brandschutz unterzeichnet, viele Textilfabriken wurden seitdem überprüft und Mängel wurden zumindest zum Teil behoben. ABER: Hunderte Fabriken haben nach wie kein Feueralarmsystem oder Statikprobleme. Und einige große Firmen, wie zum Beispiel Puma, weigern sich, das Abkommen zu verlängern – bzw. haben es gar nicht erst unterzeichnet, wie zB Decathlon oder Jack Wolfskin. Eine Liste dazu, welche Firma wie zu dem Abkommen steht, findet ihr auf der Seite der Clean Clothes Campaign.

Ein Shirt für 3.99 € Euro kann nicht gut produziert worden sein

Erstes Umdenken bei mir: Ich muss aufhören, nach Schnäppchen zu schauen. Auch wenn es nur um ein Trägershirt für 3.99 geht. Wie soll das zu diesem Preis fair produziert werden? Es gibt Berichte aus Bangladesch, wonach viele Näherinnen nach wie vor schikaniert, körperlich bedroht oder auch mit sexueller Gewalt unterdrückt werden. Und die Arbeiterinnen verdienen nichts: In Bangladesh liegt der Mindestlohn bei etwa 52 Euro im Monat. Und das ist einigen Firmen offenbar immer noch zu teuer, Marken wie H&M, C&A, Primark und Tchibo wandern inzwischen nach Myanmar und Äthiopien ab, um dort noch billiger zu produzieren.

Kleiderfasten Capsule Wardrobe Kleiderkreisel second hand Made in Bangladesch

Unfair produziert und voll mit Giftstoffen

Wenn wir von Nachhaltigkeit bei Kleidung sprechen, dann geht es eben nicht nur darum, ob ein Teil aus Bio-Baumwolle hergestellt ist, sondern auch darum, wer es unter welchen Bedingungen genäht hat. Und es geht darum, wie das Kleidungsstück hergestellt wurde. Wusstet ihr, dass die Produktion einer einzigen Jeans mehrere tausend Liter Wasser verbraucht? Und es werden giftige Chemikalien in der Produktion eingesetzt, die dafür sorgen, dass zum Beispiel Menschen in China nicht mehr an sauberes Trinkwasser kommen. Dazu gibt es ein sehr eindringliches Video auf der Seite von Greepeace. Ich kann zum Beispiel Sachen von bestimmten Herstellern gar nicht tragen, weil sie auf meiner Haut sofort anfangen zu jucken. Und zu guter Letzt enthalten viele Kleidungsstücke Kunststofffasern. Beim Waschen landen die in unserem Wasserkreislauf (dagegen hilft übgrigens der Guppy Bag, über den wir hier schon berichtet haben.)

Qualität statt Quantität

Und obwohl ich alle diese Dinge weiß, habe ich es trotzdem noch oft genug falsch gemacht. Nix mit Kleiderfasten. Lieber drei Pullis für wenig Geld gekauft, statt einen ordentlichen. Und wie oft habe ich die drei Pullis dann angehabt? Reden wir lieber nicht darüber. Ich ärgere mich über mich selbst. Aber: Ich kann das ja ändern. Der Monat April war der bisher wichtigste für mich, denn ich habe viel über mich selbst gelernt. Ausmisten reinigt die Seele und hilft dabei, sich selbst zu hinterfragen und sich neue Ziele zu setzen.

Neuer Vorsatz: Kleiderfasten

Ich habe wirklich radikal ausgemistet und ich muss wie gesagt zugeben, dass ich von mir selbst schockiert war. Ich habe zwar nur einen kleinen Kleiderschrank – trotzdem habe ich unfassbar viele Kleidungsstücke. Umfragen zufolge hängen in den Schränken der Deutschen insgesamt etwa 5,2 Milliarden Kleidungsstücke. Und mehr als jedes dritte davon wird nur selten oder so gut wie nie getragen. Macht insgesamt gut zwei Milliarden Kleidungsstücke, die im Schrank vor sich hin stauben. Und da passe ich leider ganz gut rein, in meinem Schrank hingen Sachen, von denen wusste ich nicht mal mehr, dass ich sie habe.

Weniger Kram = Mehr Freiraum

Das ist jetzt nicht mehr so. Im April hatte ich zum Kleiderfasten meine Garderobe auf 30 Sachen reduziert. Das Ergebnis: Nicht mal die  habe ich gebraucht. Und ich habe mich trotzdem – bzw gerade deswegen besser angezogen gefühlt, als sonst. Denn ich war viel kreativer, habe Sachen wieder angezogen, die ich sehr mag, die aber in der Masse meiner Kleidungsstücke untergegangen waren. Ich fühle mich viel wohler damit, weniger Sachen zu haben. Und ich habe mit dem Ausmisten schon einiges an Geld verdient: Über Kleiderkreisel habe ich für inzwischen fast 100 Euro insgesamt viele meiner aussortierten Sachen verkauft. Einiges habe ich auch verschenkt, an Freundinnen, die sich über die Sachen freuen und ihnen eine zweite Chance geben. Und das freut wiederum mich.

Gebraucht statt neu – genauso schick und besser für die Umwelt

Von dem verdienten Geld habe ich mir zum ersten Mal seit langem ein gebrauchtes Stück gekauft – eine Trainingsjacke, die ich schon lange haben wollte – und die jetzt bei mir eine zweite Chance bekommt. Der Rest des Geldes ging in ein neues Teil: Ein Laufshirt von Runner’s Heal – mit dem Kauf tue ich auch noch was Gutes. Mehr zu dem Projekt findet ihr auf der Homepage der Aktion. Das Shirt soll aber auch das einzige neue Stück fürs Erste bleiben (von Unterwäsche und Socken mal abgesehen). Ich möchte bis Ende des Jahres Kleiderfasten und testen, wie gut es sich mit Second Hand Kleidung leben lässt. Wie macht ihr das? Kauft ihr oft neu? Seid ihr Flohmarkt-Fans? Ein paar Tipps zum Ausmisten, zu grünen Shops und zu alternativen Materialien haben wir euch übrigens auch in einem extra Blogartikel zusammengestellt. Viel Spaß beim Stöbern!