Wir wollen diesen Monat ausprobieren, wie viel Kleidung wir wirklich brauchen. Wir wollen Licht in den Dschungel der verschiedenen Mode-Siegel bringen. Mit Menschen aus der Mode-Branche sprechen und aus der Outdoor-Industrie. Denn Mode kann ganz schön belastend für unsere Umwelt sein! Unsere Frage im April: Was ist eigentlich nachhaltige Mode?

Umfragen zufolge hängen in den Schränken der Deutschen insgesamt etwa 5,2 Milliarden Kleidungsstücke. Mehr als jedes dritte davon wird nur selten oder so gut wie nie getragen. Macht insgesamt gut zwei Milliarden Kleidungsstücke, die im Schrank vor sich hin stauben.

Ein Kleiderschrank voll und nichts zum Anziehen

Und trotzdem kauft jeder Deutsche pro Jahr im Schnitt etwa 60 neue Kleidungsstücke. Kleidung ist zum Teil sehr billig geworden, also zum Wegwerfprodukt. Das ist in vielerlei Hinsicht nicht nachhaltig. Das fängt an bei der Produktion, oft zu Hungerlöhnen, unter schlechten Arbeitsbedingungen und zum Teil mit Kinderarbeit. Dann ist da die Umweltbelastung: Die Produktion einer einzigen Jeans verbraucht mehrere tausend Liter Wasser und die Textilindustrie setzt zum Teil giftige, krebserregende oder hormonell wirksame Stoffe ein. Und wenn wir Kleidungsstücke aus Kunstfasern waschen oder wegwerfen, können die Fasern als Mikroplastik im Wasserkreislauf landen.

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Bild: Rico Shen [CC BY-SA 4.0-3.0-2.5-2.0-1.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0-3.0-2.5-2.0-1.0)], via Wikimedia Commons
Diktiert wird das, was in unseren Kaufhäusern landet, von den großen Designern, die Mode als unabdingbaren Bestandteil unseres Lebens inszenieren. Karl Lagerfeld hat vor kurzem für eine Modenschau das Grundstück des Pariser Grand Palais in einen Wald umwandeln lassen. Dafür wurden neun bemooste Eichen gefällt und aufgestellt – weitere Bäume wurden als Sitzgelegenheiten zweckentfremdet. Dazu kamen Blätter und Co. Die Modewelt hat ihn dafür gefeiert, denn Chanel habe sich beim Kauf der Bäume wohl verpflichtet, 100 neue Eichen im Herzen des gleichen Waldes zu pflanzen. Aber Umweltschützer sind empört und kritisierten die Show stark – auch weil Pelze und Lederkleidung gezeigt wurden.

Viele Siegel und kein Durchblick

Es gibt bisher keine allgemeingültigen Regeln dafür, was nachhaltige Mode ist. Da wollen wir in diesem Monat mal ein bisschen Licht in den Siegel-Dschungel bringen. Es gibt da verschiedene Kennzeichnungen für Mode – zum einen, dass sie Fair produziert wurde. Oder dass zumindest die Baumwolle fair gehandelt wurde. Andere Siegel bescheinigen ökologischen Standards, also dass zum Beispiel ein bestimmter Mindestanteil an Biobaumwolle im Kleidungsstück steckt.

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KARDO.FAMILY [CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons
Etwa jede zweite Textilfaser, die weltweit verarbeitet wird, ist chemisch hergestellt. Für synthetische Textilien ist der Grundstoff Erdöl und die Herstellung verbraucht viel Energie. Klingt erstmal nicht so gut, wie die Baumwolle, die auf dem Feld wächst. Allerdings verbraucht die beim Anbau extrem viel Wasser und Baumwolle ist empfindlich und wird oft ordentlich mit Pestiziden behandelt. Kunstfasern dagegen lassen sich zum Beispiel aus recycleten PET-Flaschen herstellen, dann ist ihre Öko-Bilanz schon wieder besser. Aber: Beim Waschen lösen sich von den Synthetikfasern winzige Plastikpartikel und landen im Wasser. Da gibt es also viele Faktoren. Generell ist auf jeden Fall gut, Kleidungsstücke möglichst lange zu nutzen, egal aus was sie sind.