Was ist das für ein Käfer? Wie fühlt sich eigentlich Baumrinde an? Was ist das weiche Grüne da? Und wie viele Beine hat eine Spinne?

Querwaldein e.V. | Anita Horn

Kinder können im Wald viel entdecken. Einige Schüler der Von-Bodelschwingh-Grundschule waren noch nie im Wald. All die Geräusche, das nasse Laub vom Regen in der Nacht zuvor und die Gerüche von Moos und Holz waren Talia, Hassan, Luan und den anderen meist komplett neu.

Sinnenwahrnehmungen und Spaß

Querwaldein e.V. | Anita Horn

Dazu die morgendlichen Temperaturen von nur drei Grad, ausgestattet mit Gummistiefeln, Mützen und Rucksäcken – da fühlt man sich gleich wie ein echter Stadtnaturforscher auf Entdeckungstour.

Querwaldein e.V.

Gut, dass Florian Schwinge vom Verein Querwaldein dabei war. Er hat die Klasse auf ganz besondere Weise in den Wald stapfen lassen. Oder besser gesagt fliegen lassen. Jedes Kind hat einen kleinen Handspiegel bekommen und sollte ihn an die Nase halten, um nicht mehr den Boden, sondern die Baumwipfel und den Himmel zu sehen.

Querwaldein e.V. | Anita Horn

Neue Perspektiven

Ohne Blick auf die Füße und immer am Vordermann festhaltend ging es dann wie eine menschliche Raupe vom asphaltierten Weg auf den weichen Waldboden, über Äste und vorbei an Bäumen – vorne Weg der sichere Wegführer Herr Schwinge – mit Waldnamen Florian Fliegenbein.

Querwaldein e.V. | Anita Horn

Waldsofa und neue Namen

Auch die Kinder hatten für einen Tag alle einen neuen Namen: Talia Tannenzapfen, Hassan Hase, Luan Löwe. Dazu gab es Marienkäfer, Tiger, Elstern und einen Sonnenschein. Und der kam zwischendurch sogar wirklich raus und legte ein tolles Licht auf alle Waldfarben. Damit es nicht zu kalt wurde, waren die Kinder die meiste Zeit in Bewegung: sie haben ein Waldsofa aus selbst gesammelten Ästen und großen Stöcken gebaut und sind Erlebnispfade entlang einer gespannten Leine gegangen.

Querwaldein e.V. | Anita Horn

Dabei konnten sie an kleinen Stoffsäcken fühlen und riechen, was darin versteckt war – gar nicht so leicht Laubblätter und Tannenzapfen zu erkennen, wenn man sie nicht sieht und noch nie angefasst hat.

Digitalisierung vs. Dreckigmachen

Querwaldein gibt es seit mehr als zehn Jahren im Raum Köln-Bonn und Dortmund. Letztes Jahr hat der Verein etwa 15.000 Menschen erreicht. Seit April 2017 wird Querwaldein e.V. durch das NRW Landesministerium für Umwelt und Naturschutz mit einer Fördersumme von 110.000 Euro jährlich unterstützt. Unter anderem wird darüber das Projekt der „Stadtnaturforscher“ umgesetzt. Darüber wurden in der Förderperiode April 2017 bis März 2018 bereits 120 Schulklassen und Kitagruppen aus benachteiligten Kölner Stadtteilen mit kostenlosen naturpädagogischen Programmen erreicht.

Querwaldein e.V. | Anita Horn

Stadtnaturforscher*innen

Außerdem ist Querwaldein e.V. Regionalzentrum Köln im Landesnetzwerk Bildung für Nachhaltige Entwicklung und außerschulischer Partner der NRW-Landeskampagne „Schule der Zukunft“ und unterstützt Schulen, Kitas und außerschulische Partner bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Projekte.

Steinkriecher und Spinnen

Schüler verlieren durch die heutige Digitalisierung und fehlende Umweltbildung immer öfter den Bezug zur Natur. Sie trauen sich teilweise kaum noch dreckig zu machen. Teilweise kennen selbst die Eltern es kaum noch, mal querwaldein zu laufen. Deshalb möchte der Verein Querwaldein mit seinen Programmen und Lernmodulen dem entgegen wirken und den Kindern wieder zeigen, wie ein Steinkriecher aussieht und wie schnell er laufen kann, dass Baumrinde trotz ihrer schroffen Wirkung ganz weich sein kann, dass das weiche Grüne „Moos“ heißt und dass eine Spinne acht kleine Beine hat, vor denen man keine Angst haben muss.

Querwaldein e.V. | Anita Horn

Hier könnt ihr die Radio-Reportage von WDR5 nochmal nachhören: