9.März 2018

Seit heute bin ich stolze Besitzerin eines Wurmstadions®. Mit Hilfe von zwei Kisten für die Wurmbehausung und einer Kiste für meine Kompostsammlung, ein bisschen Backpapier und Klebeband habe ich mir eine eigene Wurmkiste gebaut. Darin wohnen ab sofort 500 Dendrobenas, oder auch Riesenrotwürmer, um mir den besten Blumendünger auf Erden zu bescheren: Erde.

Humus daheim

Ob die Kiste als Heim taugt, das wird sich in den nächsten Tagen und Wochen zeigen. Aber soviel steht fest: ich habe heute Nacht nur noch von Regenwürmern geträumt, und dass sie stiften gegangen sind und ich sie überall in der Wohnung wieder einsammeln musste… Wie ich nämlich bei meinem gestrigen Besuch in Düren bei „Superwurm“ gelernt habe, kommen die beinlosen Freunde nämlich doch die Wände hoch. Hoffen wir mal, dass es bei einem Traum bleibt. Ich bin jetzt auf jeden Fall eine echte Wurmwirtin und hoffe, dass sich die Kriechtierchen bei mir wohlfühlen.

6.März 2018

Ich brauche eure Hilfe! Ich möchte meinen Biomüll kompostieren. Aber ich weiß nicht wie. Ich habe einfach mal eine Gemüse- und Obstreste von Banane, Paprika, Karotte und Avocado gesammelt. Und jetzt steht der Mix auf meiner Terrasse. Allerdings fürchte ich, dass Vögel dran gehen oder die Sachen verschimmeln. Was muss ich tun? Gebt mir Tipps! Brauche ich eine geschlossene Kiste? Wo bekomme ich Würmer für eine Wurmkiste her? Muss ich die Reste „betten“? Auf Erde oder Gras? Oder muss ich einfach nur noch warten?  Mein Kompost

Essensmüll

Laut WWF landen in Deutschland pro Sekunde 313 Kilo Lebensmittel im Müll. Jedes Kilo verschwendete Lebensmittel fördert durch Düngung, Transport, Kühlung aber Treibhausgasemissionen. Um dem entgegen zu steuern, können Küchen- und Gartenabfällen nachhaltig wiederverwertet werden, in Form von Humus – einem natürlichen Dünger dank Kompostierung. Das geht ohne großen Aufwand, sogar in der Stadt, ohne Garten. Und ich möchte wirklich gerne mitmachen. Aber aller Anfang ist schwer.

Definition von Biomüll

Biomüll umfasst alle organischen Abfälle wie Blumen, Laub und Unkraut, Brotreste, Eierschalen, Küchenabfälle, alte Lebensmittel, Schalen von Obst und Gemüse, gekochte Speiserest, Teebeutel und Kaffeefilter sowie Kaffeesatz. Angeblich gehören sogar Staub, Haare und trockenes Tierfutter dazu. Stimme das?

Für zuhause | Die Wurmkiste

Die Wurmkiste ist eine nahezu geruchsneutrale Kompost-Möglichkeit, um eigenen Humus zu erzeugen. Ich kann sie fertig kaufen oder selbst basteln. Dafür brauche ich nur eine Kiste, am besten aus Holz, bohre ein paar Löcher in den Boden – für die Belüftung und den Wasserablauf. Dann lege ich Zeitungspapier darin aus, das zieht überflüssige Feuchtigkeit heraus. Und dann besorge ich mir Kompostwürmer. Die bekomme ich im Fachhandel, 500g kosten ca. 20 Euro, online werde ich aber auch fündig. Oder ich frage Wurmbesitzer, die schon Kisten haben, ob sie teilen. Die Tiere können im Jahr nämlich bis zu 1000 Nachkommen erzeugen. Das reicht für mehrere Kisten aus.

Was sind das für Würmer?

Für die Wurmkiste brauche ich spezielle Kompostwürmer. Das sind nicht zwingend „normale“ Regenwürmer – die leben ja eher tief in der Erde und graben sich Gangsysteme. Für die Kompostierung brauchen wir aber Würmer, deren natürlicher Lebensraum sich in der auf dem Boden aufliegenden Schicht befindet, dort sammeln wir das organische Material. Die fleißigsten Würmer sind Eisenia andrei und Eisenia foetida, sogenannte Mistwürmer, perfekt für Gartenabfälle. Beide Arten fressen pro Tag etwa die Hälfte ihres eigenen Körpergewichts, unter optimalen Bedingungen sogar das Doppelte – das ist bei 20 bis 25 Grad. Dazu setzen kann man auch den Lumbricus rubellus und den Dendrobaena, also den Riesenrotwurm. Der setzt vor allem Küchenreste um, vermehrt sich aber nicht ganz so schnell. Am besten ist ein Mix aus allen Arten.

Wilma-wurmkiste.de

Wurmtee und Wurmhumus

Raus kommen Wurmtee – also Harn – bitte nicht trinken, der ist gut zum Gießen. Und nach einigen Monaten auch Wurmhumus. Wenn die Mischung aus Müll und Würmern stimmt, riecht es nach dem, was ich gerade reingelegt habe: Kaffeesatz, Kohlblättern oder Gräsern. Wenn es aber zu warm oder nass ist, kann der Müll schimmeln und stinken oder Fliegen anziehen. Zum „Üben“ bietet sich also ein Platz im Keller oder auf der Fensterbank an. Von 5-25 Grad fühlen sich die Tiere wohl, nur bitte nicht direkt in die Sonne stellen, hat mir Marvin Langhoff von Deutschlands größter Wurmfarm „Superwurm“ in Düren erklärt. Man kann aber auch fertigen Wurmhumus kaufen – laut einiger Studien der beste Humus, den man kriegen kann.

Bester Dünger der Welt

Laut Umweltbundesamt weist Wurmhumus mehr Mineralstoffe auf als kommerzieller, chemischer Pflanzendünger. Die Ausscheidungen von Kompostwürmern sind reich an Phosphor, Kalzium und Magnesium und darin leben Kleinstwesen, wie das Bakterium Pseudomonas fluorescens auf, das hilfreich gegen einige Pilzkrankheiten des Bodens ist. In Stuttgart wird jedes Frühjahr z.B. Wurmhumus in beim größten deutschen Wurmfachhändler in Düren gekauft, um damit rund 1700 Stadtbäume zu düngen, die ohne diesen Dünger nachweislich nicht so gut blühen wurden.

Idee 2: Die braune Tonne

Die zweite Möglichkeit ist die braune Biotonne. Die kann man in den meisten Städten über die Abfallbetriebe bestellen – in Absprache mit dem Hauseigentümer und den Nachbarn. Sie ist im Normalfall in den Müllabfuhrkosten enthalten, aber eben keine Pflicht. Darin kann ich Pflanzenabfällen und Essensresten entsorgen und dann kommt dieser organische Abfall vorsortiert in die Kompostierungsanlage meiner Stadt. So wie bei der Abfallentsorgungs- und Verwertungsgesellschaft in Köln. Dort habe ich mit Tilo Dumuscheit gesprochen. Der Kompost wird erst aufgehäuft…:

„Dann beginnen die Mikroorganismen zu arbeiten. Dabei entsteht die Wärme, bis zu 70 Grad. Dabei werden Keime abgetötet und wir bekommen hochwertigen Kompost. Und wir bauen im laufenden Jahr eine Gärungsanlage, die wird dem Kompostierungsprozess vorgeschaltet, dabei entsteht ein Gas, meist Methan, was man energetisch nutzen kann. Wir verwerten den Müll so zweimal.“

Am Fließband stehen permanent Mitarbeiter, die alles, was nicht rein gehört, aussortieren: Kunststoffabfälle, Plastikhüllen von Käse und Wurst, Knochen von Fleischresten. Wobei Tilo Dumuscheit zufrieden ist: in Köln ist der Anteil von diesen Störstoffen geringer als ein Prozent – durch die Freiwilligkeit und das Interesse daran.

Das Ergebnis |KöKo

Im Jahr landen gut 100.000 Tonnen Biomüll in der Kölner Anlage. Daraus werden etwa 50.000 Tonnen Humus und Co, der sogenannte KöKo, der Kölner Kompost, den man als Bürger oder Landwirt kaufen kann. Das Verhältnis von Aufwand zu Ertrag bei 2 zu 1, weil die Bedingungen in der Anlage optimal sind. Für einige Städte lohnt sich das Angebot der Biotonne aber z.T. nicht, weil aus dem gesammelten Biomüll weniger Energie gewonnen werden kann als die Müllabfuhr bei beim Abholen verfährt.

Wurmkiste

Mein Ziel

Ich habe weder eine Biotonne im Haus noch einen Garten mit Komposthaufen. Deshalb möchte ich auf meiner Terrasse kompostieren. Schickt mir eure Tipps und Tricks, was ich beachten muss. Und ich halte euch auf dem Laufenden, was meine Entwicklung der Wurmkiste und meine Ergebnisse angeht…

Würmer im Radio

Und hier geht es zum WDR5-Leonardo-Beitrag vom 7.März: