Die Versorgung mit Vitamin B12 bei Veganern ist ein schwieriges Thema. Was ich immer höre ist, dass man bei einer Ernährungsweise frei von tierischen Produkten B12 unbedingt supplementieren sollte, dass zugesetztes B12 in Soja-Joghurts und Co nicht so gut vom Körper aufgenommen werden kann und dass Fleischesser es automatisch aufnehmen, weil einige Tiere in der Lage sind es im Körper selbst zu bilden. Manchmal heißt es aber auch, dass Nutztieren Vitamin B12 zugefüttert wird und dass auch B12-Präparate für Menschen nicht zwingend vegan sind, weil sie Milchzucker und Gelatine enthalten können. Ich habe mit Wissenschaftlern, Ärzten, dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz und dem Deutschen Verband Tiernahrung (DVT) gesprochen sowie einige Online-Quellen zusammen getragen. Hier meine Recherche-Ergebnisse:

Was ist B12?

B12 ist ein Vitamin, das von Mikroorganismen produziert wird. Diese Mikroorganismen finden sich zum Teil auch im menschlichen Darm. Der Mensch nimmt Vitamin B12 über Schleimhäute im Mund und im Dünndarm aus. Die körpereigene Produktion findet allerdings erst nach diesen beiden Regionen statt, nämlich im Dickdarm. Daher scheiden wir uns eigenes Vitamin B12 also auf direktem Wege und ohne Nutzung aus.

Natürliches Vorkommen in Fleisch?

Tiere bilden so wie wir Menschen zum Teil selbst B12 im Darmtrakt. Eine Ausnahme sind die Wiederkäuer, die das Vitamin in ihrem Pansen herstellen können. Fleischesser nehmen das Vitamin-B12 über das Fleisch ihrer Beute auf, während nicht-wiederkäuende Pflanzenfresser es über Verunreinigungen ihrer Nahrung mit Erde und Kot zu sich nehmen“, so auf der Homepage von Dr.Schweikart. Aber selbst wenn wir Fleisch essen, kann ein Teil des B12 durch Braten und Lichtkontakt wieder verloren gehen, so dass der B12-Gehalt bei der Zubereitung vieler Speisen stark abnimmt. Zudem kann es sein, dass der Mensch das B12 nicht gut aufnehmen und verwerten kann. Bei Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt, Stress und aus anderen gesundheitlichen Gründen kann das Vitamin ungenutzt ausgeschieden werden, so dass auch Fleischesser einen Mangel aufweisen können.

Zugefütterung bei Tieren

Laut Landesumweltamt heißt es, „Vitamin B12 ist als Futtermittelzusatzstoff gemäß Verordnung (EG) Nr. 1831/2003 zugelassen und darf über alle Futtermittel (Einzel- und Mischfuttermittel) an alle Tierarten verfüttert werden. Eine mengenmäßige Begrenzung des Zusatzes von Vitamin B12 oder sonstige Vorschriften bzgl. der Verwendung sind nicht vorgeschrieben. Jedoch wird Vitamin B12, schon aus Kostengründen entsprechend dem ernährungsphysiologischen Bedarf der Tiere, abhängig von vielen Faktoren (z.B. Tierkategorie, Leistung, Mangelsituation etc.) eingesetzt. Wobei in letzter Zeit zu beobachten ist, dass verstärkt flüssige Vitamin B12 haltige Ergänzungsfuttermittel am Markt sind, die Mangelsituationen ausgleichen sollen.“

Allerdings werden Tiere nicht damit versorgt, um später dem Menschen B12-reiches Fleisch zur Verfügung zu stellen, sondern weil sie es für ihren Stoffwechsel benötigen, so der DVT. Ob ein Tier Vitamin B12 produzieren kann, hängt dabei nicht von der Haltung ab, sondern von der Tierart. „Rinder mit einer funktionierenden Pansenflora haben Mikroorganismen, welche B12 bilden können. Kälber aber zum Beispiel noch nicht. Ihnen und allen anderen muss man B12 zufüttern.“

Bio ohne B12

Bio-Produkte dürfen laut EU-Bio-Verordnung allerdings kein Lebensmittel mit Vitamin B12 anreichern, so dass hier nur Lebensmittel aus konventioneller Landwirtschaft zur Verfügung stehen. Zwar kann man theoretisch auch natürliche, pflanzliche Nahrungsmittel aufnehmen und sich dadurch mit Vitamin B12 versorgen, weil auch Humus entsprechende Mikroorganismen zenthalten kann. Das heißt durch den Verzehr von ungewaschenem, ungeschältem Wurzelgemüse wie Karotten und Co könnte eine gewisse Menge Vitamin B12 aufgenommen werden. Allerdings ist auch diese Form strittig und je nach Bodenart sehr unterschiedlich. Außerdem möchte vermutlich niemand gerne Erde verzehren.

Empfohlene Tagesdosis

Empfohlen wird von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zwar eine Tageszufuhr von 3µg/Tag. Der Körper kann pro Mahlzeit aber nur etwa 2µg Vitamin B12 aufnehmen, weil B12 für seine Aufnahme ein spezielles körpereigenes Molekül benötigt, den Intrinsic Factor als Transportprotein, das in der Magenschleimhaut gebildet wird. Hier kann das Vitamin andocken, um im Dünndarm resorbiert zu werden. Das heißt das Vitamin muss über mehrere Mahlzeiten verteilt aufgenommen werden oder es werden Nahrungsergänzungsmittel supplementiert.

Cobalamin und Co

Vitamin B12 existiert in Lebensmitteln existiert in verschiedenen Formen:

  • Methylcobalamin (vor allem Käse)
  • Hydroxocobalamin (alle Lebensmittel)
  • Adenosylcobalamin (Fleisch, Milchprodukte)

Einige Algen wie Chlorella und Nori sowie fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut, Bierhefe, Sojasoße und Miso enthalten Vitamin B12 – allerdings in einer nicht verwertbaren Zusammensetzung für den menschlichen Körper. Sie sind damit wirkungslos.

Wie äußert sich ein Vitamin B12-Mangel?

Müdigkeit, blasse Haut, aufgerissene Mundwinkel und empfindliche Schleimhäute sind erste Anzeichen. Später können neurologische Beschwerden wie Taubheitsgefühle, Sehstörungen, Nervenausfälle und Halluzinationen hinzukommen. Diese Schädigungen sind schwerwiegend und irreversibel. Deshalb ist eine regelmäßige Kontrolle wichtig und die Einnahme von Präparaten von Anfang an sinnvoll.

Was für Präparate gibt es?

Vitamin B12-Präparate enthalten die nötigen Mikroorganismen in Form von Cyanocobalamin, Methyl-, Adenosyl – und Hydroxocobalamin sowie Mischungen dieser Formen in hoher Dosierung als Tropfen oder Tabletten. Dadurch kann der Körper das Vitamin durch passive Diffusion aufnehmen. Allerdings sind nicht alle Präparate auch vegan. Die Kapseln enthalten häufig Milchzucker und sind umhüllt mit Gelatine. Einige Hersteller stellen allerdings vegane Varianten her. Hier sei die Qualität und die Art der Ersatzzutaten zu beachten. Billige Synthetik-Zugaben sind ebenso wenig sinnvoll. Besser sind Zusätze aus Nussmehl oder pflanzlicher Stärke.

B12-Präparat

Somit nehmen Veganer ihr B12 genauso wie jedes andere Tier auf diesem Planeten auf, nämlich in Form von zugefütterten Mikroorganismen. Ganz ohne dafür Fleisch essen zu müssen. Allerdings sollte man auch nicht unbedacht eine wahllos hörere Dosis einnehmen, wie ein aktueller Artikel auf ecodomy.de erklärt. Es könnte nämlich auch zu einer Überversorgung kommen.

Studien

Spannende Erkenntnisse zur Versorgung mit Vitamin B12 durch Fleisch oder Pflanzenkosten bringen die EPIC-Oxford-Studie und die Oxford-Kohorte mit 500.000 bzw. rund 60.000 Teilnehmern einschließlich Veganern. Zudem gibt es eine Diplomarbeit zum Thema, geschrieben im Studiengang Ökotrophologie an der Universität Hamburg (Thema B12 Seite 40/41 und 73) und eine Dissertation zum Einfluss der veganen Ernährung auf den Gesundheits- und Ernährungsstatus aus dem Fachbereich Chemie der Universität Hannover. Zudem hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung ein Positions-Papier zum Thema verfasst.

Quellen