Wenn ich die Wahl hätte, würde ich dann ein Steak essen, ein Tofu-Schnitzel, einen Burger mit Insekten oder sogar ein Stück Fleisch aus dem Labor? „Cultured Beef“, in Vitro gezüchtet, der Umwelt zuliebe?

Insekten als Nahrungsmittel

Nicht jeder ist bereit auf tierisches Essen zu verzichten. Tatsache ist aber, dass für den Klimaschutz etwas passieren muss, denn der Fleischkonsum ist einer der größten Posten in Hinblick auf CO2-Emissionen. Die Deutschen essen im Schnitt 60 Kilo Fleisch pro Jahr. Dafür werden riesige Flächen benötigt, Urwälder und Ökosysteme zerstört, um die Tiere zu halten und zu füttern. Aber es gibt vielleicht Alternativen.

Insekten als Nahrungsmittel

Fleisch aus dem Labor

Es gibt Firmen in Amerika und den Niederlanden, die auf Basis von Kuh-Muskelstammzellen Fleisch züchten. Die Entnahme ähnelt einer Blutentnahme – also ohne Tötung. Das Gewebe wird in einer Petrischale auf einem Nährboden aus Zucker, Aminosäuren, Vitaminen und dem Serum des Blutes von Kälberföten gezüchtet. Dabei gibt es aber drei Probleme: 1. Das Kalb, das das Serum gibt, überlebt den Eingriff nicht – also wird hier doch getötet. 2. das Serum könnte Krankheiten übertragen. Das heißt es braucht vermutlich auch Medikamente – auch wenn schon nach pflanzlichen Alternativen gesucht wird. Und 3. werden trotzdem Ressourcen verbraucht, heißt auch hier braucht man Strom und Wasser etc. Und ob das Fleisch dann tatsächlich genießbar oder gar „gesund“ wäre, das steht noch gar nicht fest.

Nachhaltiger als normales Fleisch?

Laut der Forscher könnte auf Basis der Stammzellen von 150 Rindern die ganze Welt ernährt werden. Bleibt die Frage, ob die Verbraucher so ein Fleisch auch kaufen würden. Wobei Philosophin und Ethikerin Doktor Friederike Schmitz aus Berlin sagt, dass sich vor allem was an den Strukturen ändern muss, die die Kaufentscheidungen beeinflussen:

„Wir sollten das Thema nicht auf individuelle Konsumentscheidungen reduzieren, die Situation ist stark von wirtschaftlichen Bedingungen und politischen Entscheidungen gemacht. Wir brauchen nicht nur einen Ersatz von Tierfleisch zu Laborfleisch, sondern eine andere Organisation der Landwirtschaft.“

Sprich Gemüse ist weiterhin besser als jeder Fleischersatz. Bisher können aber eh nur sehr kleine Fleischfetzen gezüchtet werden, nichts zum sattwerden. Und es fehlen nötige Genehmigungen. Da sind andere Entwicklungen wie zum Beispiel Nahrung aus Insekten deutlich weiter.

Novel Food-Verordnung für mehr Insekten in Deutschland

Zumindest ist Insektenzucht nachhaltiger als die von Nutztieren. Sie benötigen nur ein Zehntel soviel Land wie Nutztiere und produzieren pro Kilogramm Futter 12x so viel Nahrung wie Rinder. Weil ein größerer Teil ihres Körpers essbar ist – etwa 80 Prozent – zum Vergleich: bei Hühnern und Schweinen sind es etwa 55 Prozent. Bei Rindern 40 Prozent. Außerdem benötigen Insekten weniger Nahrung pro Kilogramm Körpergewicht. In Belgien, Frankreich und den Niederlanden gibt´s sie längst als Snacks zu kaufen. Bei uns kommt das nach und nach.

Insekten als Nahrungsmittel

Mehlwürmer á la Carte

Wir können im Internet mit Schokolade überzogene Maden bestellen, in einigen Restaurants gibt es Speisen mit knusprigen Mehlwürmern. Und es gibt Speisen aus Insektenmehl – zwar (noch) nicht für Brot, aber zum Beispiel als Proteinpulver für Sportler. Am Institut für nachhaltige Ernährung in Münster hat ein dreiköpfiges Team aus Betriebswirtschaftlern und Wirtschaftsinformatikern so ein Pulver auf Basis von Buffalowurm-Mehl entwickelt. Insekten haben nämlich eine hohe Proteinwertigkeit und dazu eine besser Ökobilanz, so Charlotte Binder von Isaac Nutrition:

„Die Insekten werden artgerecht gehalten, sie mögen es wuselig und dunkel, und werden in einem speziellen Verfahren tiefgefroren. Das kann man sich vorstellen wie eine Mischung aus Zucht und Gewächshaus und man hat so Silos und braucht nur wenig Fläche, weil man in die Höhe baut.“

Das Projekt wird vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert. Und es gibt weitere Ideen. Ein Team der Deutschen Sporthochschule Köln hat zusammen mit dem Leibniz-Institut für Agrartechnik in Potsdam einen Insekten-Riegel entwickelt.

Insekten als Nahrungsmittel

Essbare Krabbeltiere

Und wer glaubt, das könnte ein fader Speiseplan werden: es gibt laut der Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen FAO rund 1900 essbare Insektenarten. In Asien und Südamerika gibt es sie schon längst auf dem Teller: Käfer statt Kekse, Fliegen statt Fleisch, Proteinnudeln statt Pommes. Dieser Verzehr von Insekten nennt sich Entomophagie – und diese Ernährungsweise wird wohl zukünftig eine immer größere Rolle in der Welternährung spielen. Zudem könnten Insekten als Tierfutter genutzt werden – statt Soja. Die Effizienz ist vermutlich sogar höher, weil die Proteinzusammensetzung sehr gut ist. Und sie ließen sich mit landwirtschaftlichen Abfällen aufziehen, so das FAO. Insekten als Nahrungsmittel

Es gibt allerdings auch hier Einschränkungen: Allergiker könnten auf Insekten reagieren. Und Veganer sowie Tierschützer reagieren auf das Thema auch häufig allergisch.

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