Das waren sie nun also, meine ersten Tage, die ganz bewusst ohne tierische Produkte stattfinden.

Tag 1

1. Januar 2018. Und ich bin jetzt vegan.

Es liegt ein reichhaltiger Raclette-Abend in Nordfriesland hinter mir: diverse Käsesorten und Fleisch, Salami und Schinken, danach Schokolade. Kurz vor Mitternacht hatte ich nochmal ein wenig Hunger, wollte mir ein Schnittchen mit Käse machen. Aber unsere Gruppe stürmte schon raus, um sich das Feuerwerk in Sankt Peter-Ording aus der Entfernung anzusehen. Also bin ich mitgegangen und habe 30 Sekunden vor dem Jahreswechsel festgestellt, dass es das dann wohl war mit meinem Mitternachtsschmaus. Aus mit Käse und Co. Gleich würde ich Veganerin sein. Ein erster Schritt.

Schwarzer Kaffee

Wir haben es nicht lange ausgehalten – mit dem Wachbleiben. Also kam ich zum Glück nicht mehr in Versuchung was zu futtern. Ab ins Bett. Und heute Morgen war es der erste Gedanke: Kaffee. Der ist zum Glück vegan. Und ich trinke ihn eh schwarz. Nach eineinhalb Stunden rückte der erste Hunger dann an. Oh ha, veganes Frühstück. Was esse ich denn? Aber am Ende war es nichts anderes als ich sonst auch frühstücke: Porridge (Haferflocken mit heißem Wasser) mit frischen Granatapfelkernen, Nüssen und fünf Reststücken Dosenananas vom Raclette. Ist eigentlich nichts was ich sonst esse, aber es war Silvester. Und wegschmeißen werde ich Essen definitiv nicht. Dazu gab es Vollkornbrot mit Kokos-Margarine und Erdbeermarmelade. Musste erst nochmal gucken, was da eigentlich so drin ist.

Code Check-App

Die App „Code Check“ hilft mir. Alles vegan. Aber so ganz gesund ist das auf Dauer wohl auch nicht. Interessant was man so rausfindet, wenn man etwas genauer auf die Etiketten guckt.

Die Code-Check-App hilft

Aber erstmal: geschafft. Und satt. Ich habe mir noch einen Tee gemacht. Ohne Honig, mit Zimtstange. Dann gab es noch ein Hustenbonbon und den ersten Schock. Habe ich jetzt schon den ersten Fehler gemacht? Schnell nehme ich das Bonbon aus dem Mund und google die Inhaltsstoffe. Puh, Glück gehabt. Fenchel Anis, ohne tierische Zusätze. Das wär‘s gewesen.

Eine Mandarine

Der erste Härtetest beginnt eine Stunde später. Der Rest der Bande wird wach und es gibt Frühstück. Pfannkuchen. Reste vom Raclette. Es duftet und ich bin kurz neidisch. Dann schnappe ich mir eine Mandarine und setze mich dazu.

Tag 2

Um 05 Uhr hat der Wecker geklingelt, es geht wieder ab nach Köln. Sechs Stunden Zugfahrt, da will ein Veganer gut vorbereitet sein. Ich habe mir deshalb am Vorabend schon Porridge vorbereitet und vor den Feiertagen Reiswaffeln gekauft. Mein obligatorischer Kaffee am Morgen kam noch aus der Porzellantasse, der Rest aus Tupperdosen und Glasbehältern.

Kürbis Apfel Rote Beete

Um 14 Uhr haben wir eine Zwischenstopp bei meinen Eltern gemacht. Mama hat sich sofort voll reingehängt und vegan gekocht: Kürbissuppe, Kürbisgemüse, Rote Beete, Möhrensalat, Zucchini-Paprika-Pfanne und Graupen. Für den Süßhunger gab es noch einen Apfel. Ich bin fast geplatzt danach. Dass Veganer satt werden kann ich also schon am zweiten Tag zweifelsfrei bestätigen. Und trotzdem fühle ich mich irgendwie leichter.

Abendessen

Abends habe ich nochmal Gemüse gekocht – im Wok. Gepimpt habe ich das Essen mit Pistazien-Pesto aus Sizilien und zwei Scheiben Brot, gekauft in meinem Heimatort beim Supermarkt-Bäcker. Als ich gefragt habe, ob Ei oder Milch verbacken sind oder ob das Brot wirklich vegan ist, kam ich mir kurz ertappt vor. Aber die junge Verkäuferin hat weder komisch geguckt noch gelacht, also scheint selbst in meinem kleinen Heimatort Waltrop der Veganismus kein Fremdwort mehr zu sein. Das freut mich.

Vegane Zahnbürste

Abgerundet habe ich den veganen Tag mit einer neuen Zahnbürste. Die ist aus Bambus und ebenfalls vegan. Die Zahncreme war mir aber irgendwie ein Dorn im Auge. So lila mit Glitzer, das kann doch nicht nachhaltig sein. Damit beschäftige ich mich im Laufe des Monats wohl nochmal genauer. Gute Nacht.

Tag 3

Nach zweieinhalb Tagen als Veganerin muss ich sagen: ich fühle mich gut. Könnte auch daran liegen, dass ich heute Nacht zwölf Stunden geschlafen habe. Mir fällt die Umstellung bisher auch kein bisschen schwer, nicht einmal als ich zum Abendessen gestern Hühnchen für meinen Freund gebraten habe – zusätzlich zum Gemüse.

Bowls

Morgen geht es für mich fünf Tage nach Oslo. Da könnte es ein bisschen schwieriger werden, wenn duftende Fischbrötchen und sonstige Leckereien, die ich noch nicht kenne, mir das Wasser im Mund zusammen laufen lassen. Aber ich bin guter Dinge, dass auch genauso leckere Alternativen finde. Auch wenn ich heute Nacht geträumt habe, dass ich bei einem Straßenfest ohne es zu merken Mozarella und Schinken gegessen habe. Kurz darauf ist mir der Fehler aufgefallen. Und ich bin aufgewacht. Mal sehen ob ich in Realität ohne Fehler davon komme. Tipps für vegane Kurzreisen sind herzlich willkommen.